Hochrangige Thüringer AfD-Politiker haben den österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner im Landtag in Erfurt empfangen. Man habe über Sellners „Remigrationskonzept“ und das der Thüringer AfD gesprochen, sagte Thüringens AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff der Deutschen Presse-Agentur. Dabei habe man sich auch über Unterschiede unterhalten.
Auf Fotos, die Haseloff bei X teilte, waren auch die Thüringer Bundestagsabgeordneten Stefan Möller und Robert Teske zu sehen. Möller ist neben Björn Höcke Landessprecher der Thüringer AfD. Nach Angaben einer Sprecherin des Thüringer Landtags wurde der Besuch Sellners nicht vorab angemeldet, die Landtagsverwaltung wusste vorher nichts davon. „In Ausübung des freien Mandats von Abgeordneten werden die persönlichen Daten von deren Gästen nicht erfasst“, teilte die Sprecherin mit.
Führende Figur der Identitären Bewegung
Bereits vergangene Woche hatte ein Vortrag Sellners im Beisein der Brandenburger AfD-Landtagsabgeordneten Lena Kotré für Aufsehen gesorgt. Kotré hatte ursprünglich zum Vortrag mit Sellner eingeladen und Kritik von den AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla bekommen. Kotré hatte den Termin abgesagt. Sellner lud dann an einem anderen Ort zur Veranstaltung ein und Kotré kam als Gast.
Sellner gilt als führende Figur der Identitären Bewegung (IB). Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die IB als rechtsextremistisch ein. Die Thüringer AfD wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.
Andere Parteien kritisierten Sellners Auftreten in Thüringen. Der Besuch sei ein Alarmsignal, das zeige, wie nah die AfD Thüringen im rechtsextremen Vorfeld stehe, sagte der Generalsekretär der CDU Thüringen, Niklas Waßmann in Erfurt. Die AfD Thüringen müsse sich öffentlich, klar und unmissverständlich von diesem Auftritt distanzieren.
Für die Linken-Fraktion kritisierte Katharina König-Preuss, die AfD habe bewusst einen bekannten Vordenker der extremen Rechten in das Herz einer demokratischen Institution geholt. Der Landtag werde damit zur Kulisse für Ideologien gemacht, die offen gegen Menschenwürde, Gleichheit und demokratische Grundrechte gerichtet seien.

