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Martin Schulz:Allein zu Haus

Der SPD-Chef verabschiedet sich von seinem nächsten "Freund".

Von Christoph Hickmann

Martin Schulz pflegt einen eher freigebigen Umgang mit dem Wort "Freund". Zu seinen Freunden zählt der SPD-Vorsitzende politische Größen aus aller Welt, darunter Präsidenten und Ex-Präsidenten. Dort aber, wo Schulz gerade am dringendsten Freunde bräuchte, an der Spitze der SPD, hat er derzeit kaum noch welche. Mit einem der letzten hat er offenbar gebrochen.

Anders kann man den Brief an die Partei kaum lesen, den Schulz nun öffentlich machen ließ: Die Niederlagen der Vergangenheit wurden nie aufgearbeitet, die Partei hat sich kaum weiterentwickelt, die letzten Kanzlerkandidaturen wurden übers Knie gebrochen, so lässt sich das zusammenfassen. Und für all das ist Sigmar Gabriel verantwortlich. Dessen Namen nennt Schulz zwar nicht direkt, doch mit der Freundschaft dürfte es fürs Erste vorbei sein. Für Schulz ist das ein Problem, schließlich konnte er sich bei Gabriel lange Zeit wenigstens noch strategische Ratschläge holen. In seinem eigenen Umfeld sieht es damit eher mau aus. Um Schulz ist es mittlerweile ziemlich einsam.

Aber was ist mit all den neuen Freunden, die ihm derzeit öffentlich den Rücken stärken? Mit Andrea Nahles, Manuela Schwesig und anderen, von denen man derzeit hören kann, der Parteichef Schulz solle auch Parteichef bleiben? Sie alle mögen für den Moment ein Interesse an Stabilität haben. Doch in zwei Wochen, zwei Monaten oder gar 2021 könnte das schon wieder ganz anders sein. Echte Freunde sind in der Politik eben doch eher selten.

© SZ vom 30.09.2017

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