Diplomatische Beziehungen:Marokko isoliert deutsche Botschaft

Nasser Bourita

Marokkos Außenminister Nasser Bourita hat eine Art diplomatische Kontaktsperre verhängt.

(Foto: Mosa'ab Elshamy/AP)

Der nordafrikanische Staat setzt die Beziehungen zur deutschen Botschaft aus. Grund ist offenbar die unveränderte Haltung der Bundesregierung im Westsaharakonflikt.

Von Daniel Brössler, Berlin

Wenn ein Staat sein Missfallen über das Verhalten eines anderen auszudrücken wünscht, stehen ihm mannigfaltige Mittel zur Verfügung. Von der missbilligenden "Verbalnote" über die Einbestellung des fremden oder der Rückholung des eigenen Botschafters bis hin zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen sind die Möglichkeiten fast endlos.

Für einen ungewöhnlichen Weg hat sich nun Marokko entschieden. "Jeglicher Kontakt" mit der deutschen Botschaft werde ausgesetzt, heißt es in einem Schreiben von Außenminister Nasser Bourita, über das marokkanische Medien berichteten. Als Grund werden in dem Brief "tiefe Missverständnisse" zu "grundlegenden Fragen des Königreichs Marokko" genannt.

Über die Hintergründe konnte zunächst nur spekuliert werden. Nahe lag allerdings ein Zusammenhang mit einem außenpolitischen Coup aus der Schlussphase der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte den marokkanischen Anspruch auf die umstrittene Westsahara anerkannt - im Gegenzug für die in Aussicht gestellte Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel.

Die Bundesregierung hatte die von den USA vermittelte Normalisierung zwischen Marokko und Israel zwar "ganz ausdrücklich" begrüßt, aber auch klargestellt, ihre Position zum Konflikt um die Westsahara sei "unverändert". Man fordere eine "für alle Seiten annehmbare politische Lösung". Verstimmungen hatte es überdies auch gegeben, weil das Land im Januar 2020 nicht zu einer Berliner Libyen-Konferenz eingeladen worden war. Die Bundesregierung sehe "keinen Grund für eine Beeinträchtigung der guten diplomatischen Beziehungen zu Marokko", hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Die marokkanische Botschafterin in Berlin wurde zu einem "dringenden Gespräch" zur Erläuterung des Vorgangs gebeten.

© SZ/edel
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