MarokkoTödliche Explosion in Marrakesch

Lesezeit: 2 Min.

Blutbad in Marrakesch: Bei einer Detonation in einem Café auf dem zentralen Djemaa-el-Fna-Platz der marokkanischen Stadt sind zahlreiche Menschen getötet worden. Unter den Opfern sollen auch Ausländer sein. Die Regierung geht von einem Terroranschlag aus.

SZ bei Google bevorzugen

Bei einer heftigen Explosion in einem bei ausländischen Touristen beliebten Café sind am Donnerstag in der marokkanischen Stadt Marrakesch mindestens 14 Menschen getötet worden. Etwa 20 weitere wurden verletzt, teilte das Innenministerium mit.

Explosion in Marrakesch: Das Argana Café liegt an dem von Touristen gerne besuchten Djemaa-el-Fna-Platz.
Explosion in Marrakesch: Das Argana Café liegt an dem von Touristen gerne besuchten Djemaa-el-Fna-Platz. REUTERS

Das marokkanische Innenministerium spricht nach der Auswertung der ersten Beweismittel von einem Terroranschlag. Kurz nach dem Anschlag am Donnerstagnachmittag hatte ein Vertreter des Innenministeriums gesagt, es habe sich um eine Gasexplosion und somit um einen Unfall gehandelt. Kurz darauf wurde von einem "kriminellen Akt" gesprochen, jetzt also von einem Anschlag.

"Wir haben rund eine Stunde unter der Hypothese ermittelt, dass es ein Unfall gewesen sein könnte", sagte Regierungssprecher Khalid Naciri dem französischen Fernsehsender France-24. "Aber erste Ergebnisse der Untersuchung haben bestätigt, dass es sich tatsächlich um einen kriminellen Akt gehandelt hat." Die nächsten Stunden sollten neue Erkenntnisse über den Hergang des Anschlags liefern.

Die Explosion ereignete sich im Argana Café auf dem zentralen Djemaa-el-Fna-Platz. Unter den Opfern seien auch Ausländer, hieß es. Die Nationalität der Opfer blieb zunächst unklar.

Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen auf dem bei Touristen wegen seiner Schlangenbeschwörer, Feuerschlucker und Basare beliebten Platz in der Medina, der Altstadt von Marrakesh. "Es gab einen riesigen Knall, es stieg viel Rauch auf und es regnete Trümmer. Hunderte Menschen rannten in Panik umher, einige hin zum Café, andere weg vom Platz. Die gesamte Fassade des Cafés wurde weggesprengt", sagte der Londoner Andy Birnie der Nachrichtenagentur AP. Er verbringt seine Flitterwochen in Marrakesch.

"Es war Mittagszeit, deshalb war viel los auf dem Platz", sagte Birnie. "Wir haben den Platz gerade betreten, waren aber durch ein paar Stände abgeschirmt. Einheimische sagten uns, dass Gasflaschen explodiert seien."

Auch der 34-jährige portugiesische Tourist Alexandre Carvalho wurde Zeuge der Explosion. "Ich bin gerade auf dem Platz angekommen, dort, wo die meisten Cafés sind. Plötzlich hörte ich diese schwere Explosion", sagte er. Er habe mit dem Rücken zu ihr gestanden. "Ich habe mich umgedreht, um sie zu sehen. Mindestens zehn Menschen wurden verletzt", sagte er. Menschen mit Feuerlöschern seien zum Café gerannt. Einige Personen seien weggetragen worden. Ihrer Kleidung nach seien die meisten Verletzten Touristen gewesen, sagte Carvalho.

Größere Terroranschläge hatte es in Marokko zuletzt im Mai 2003 in der Wirtschaftsmetropole Casablanca gegeben. Damals starben bei Attentaten auf westliche und jüdische Einrichtungen 45 Menschen, darunter 12 Selbstmord-Attentäter.

Seit Februar sind in Marokko Tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um demokratische Reformen zu fordern. Von politischen Unruhen wie in anderen nordafrikanischen Staaten ist das Land aber bislang weitgehend verschont geblieben.

© AP/AFP/dapd/segi/jab - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: