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CDU-Parteitag:In voller Fahrt

CDU-Bundesparteitag

"Lädt man jemand zu sich privat nach Hause ein, von dem man weiß, dass er den ganzen Abend jammert?", fragt Markus Söder mit Blick auf die SPD.

(Foto: dpa)

"Ich finde nicht, dass unser Akku leer ist - meiner sowieso nicht!" Wie CSU-Chef Markus Söder die Delegierten der Schwesterpartei in Leipzig mit einem Rundumschlag zum Jubeln bringt.

Als Markus Söder den CDU-Parteitag wieder verlässt, ruft ihm Daniel Günther noch etwas hinterher. Günther ist Ministerpräsident von Schleswig-Holstein - und wie die meisten im Norden neigt er nicht zum Überschwang. Aber jetzt meint sogar er, noch etwas sagen zu müssen. Als gerade amtierender Tagungspräsident ist Günther Herr über den Saal. "War ein cooler Auftritt!", ruft er ins Mikrofon. Und die Delegierten unten auf ihren Stühlen zeigen mit ihrem Applaus, dass sie es genauso sehen.

Eigentlich war auf dem Parteitag ja schon am Freitag alles gelaufen. Annegret Kramp-Karrenbauer hatte mit einer überraschenden Vertrauensfrage die Delegierten hinter sich gezwungen. Der ewige Unruhestifter Friedrich Merz hatte sich einreihen müssen. Und bei den strittigen Anträgen zeichneten sich Kompromisse ab. Doch dann kam der Samstag - und Markus Söder.

Der CSU-Chef soll nur ein Grußwort sprechen. Aber Zurückhaltung war noch nie seine Stärke. Und so nutzt er die Gelegenheit, um einer verzagten und verunsicherten CDU zu zeigen, wie man auch auftreten kann: kraftstrotzend, aber auch mit Humor und Selbstironie. "Ich finde nicht, dass unser Akku leer ist!", ruft er den CDU-Delegierten zu. "Meiner sowieso nicht", schiebt er lachend hinterher.

Die AfD erklärt Söder zum Feind, die Grünen zum Hauptgegner

Der CSU-Chef liefert dabei, was auf Parteitagen gut ankommt - von Kramp-Karrenbauer und ihrer Vorgängerin aber nicht immer geliefert wird: die harte Abgrenzung zum politischen Gegner. Die AfD erklärt er zur neuen NPD. Noch nicht einmal heimlich in irgendeinem Hinterzimmer dürfe man einen Gedanken daran verschwenden, mit denen zusammenzuarbeiten, verlangt Söder. Die AfD sei alles, aber sicher keine bürgerliche Partei, denn "bürgerliche Parteien hetzen nicht, bürgerliche Parteien spalten nicht". Die AfD vertrete dagegen ein völlig anderes Weltbild: "Die wollen nicht zurück in die 70er-Jahre, die wollen zurück in die 30er-Jahre." Deshalb müsse für die Union gelten: "Klare Linie, klare Kante, AfD ist Feind."

Die SPD hakt der CSU-Chef vergleichsweise kurz mit einem politischen Wohnzimmer-Vergleich ab. "Lädt man jemand zu sich privat nach Hause ein, von dem man weiß, dass er den ganzen Abend jammert?", fragt Söder, und der Saal jubelt. "Die Leute spüren ganz genau, ob jemand Lust am Regieren hat oder ob er das als Last empfindet", sagt der CSU-Chef. Und macht dann noch einen Witz über den Berliner Koalitionspartner: "Die SPD ist ... da."

Die AfD ist für Söder der Feind, die SPD irgendwie noch ... da, die Grünen aber sind seiner Ansicht nach der politische Hauptgegner. Für sie nimmt sich der CSU-Chef deshalb in seiner Rede Zeit. Bis zur Bundestagswahl sei die Hauptfrage doch nicht, ob es zu Schwarz-Grün komme, "sondern es geht um Schwarz oder Grün", sagt Söder. Er wolle, dass "der oder die nächste Kanzlerin oder Kanzler" auch nach der nächsten Wahl von der Union gestellt werde.

Söder gesteht den Grünen zu, dass sie derzeit sympathisch geschlossen und zumindest dem Anschein nach modern auftreten. Da müsse sich die Union herausgefordert fühlen, sagt er. Nur wer Optimismus und Lust an Neuem zeige, werde die Menschen in Deutschland begeistern. Die erste Adresse dafür müssten aber die Unionsparteien sein. "Nur wenn wir uns selbst begeistern können, können wir auch die Leute begeistern", sagt Söder - und plagiiert damit Oskar Lafontaine.

Und dann macht er den Grünen schwere Vorhaltungen. Die hätten auf ihrem Parteitag vor einer Woche zwar eine "harmonische Show" gezeigt. Aber sie wollten Fleisch verbieten, dafür Cannabis erlauben und Ölheizungen sofort abschaffen. Die Beschlüsse der Grünen seien ein Programm "knallhart" in Richtung links. Die Partei würde, wann immer sie die Wahl hätte, ein rot-rot-grünes Bündnis und keine schwarz-grüne Koalition schließen. Wer die Linkspartei der Union vorziehe, sei aber keine Alternative für bürgerliche Wähler, sagt Söder. Er verzichtet in Leipzig auch nicht auf seinen inzwischen abgedroschenen Kalauer: "Sie haben mehr Moral als wir, nämlich Doppelmoral." Bei den Delegierten kommt er aber genau damit an.

Söder hat es leicht, er muss niemandem etwas beweisen. Aber diese Chance nutzt er

Die Kritik von Merz an der Bundesregierung kanzelt der CSU-Chef mit dem Nebensatz ab, so schlecht könne es doch nicht gewesen sein, wenn man vier Mal hintereinander gewählt werde. Es ist eine der vielen Stellen in Söders Rede, an der auch Merkel klatscht. Die Passage zum Streit um die Flüchtlingspolitik dürfte der Kanzlerin auch gefallen haben. Denn der CSU-Chef fordert die Schwesterparteien dazu auf, den internen Streit endlich hinter sich zu lassen. "Deutschland braucht uns", sagt er. Und gibt das Versprechen ab, dass man so etwas wie den Flüchtlingsstreit der vergangenen Jahre nie mehr machen werde.

Als Söder fertig ist, feiert ihn der Parteitag. Er hat es in Leipzig leichter gehabt als Kramp-Karrenbauer - er musste niemand etwas beweisen. Aber er hat die Chance genutzt. Und das genießt er jetzt. Söder geht nicht gleich, sondern setzt sich erst einmal zu den anderen auf die Bühne. Die Fotografen sollen ja Zeit haben, den Triumph festzuhalten. Bis er dann doch aus der Halle marschiert - und Daniel Günther ihm dabei noch etwas hinterherruft.

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