Serie „Original aus Wien“, Folge 15Landesmutter mit Widersprüchen

Lesezeit: 2 Min.

Maria Theresia regierte das Habsburger-Reich, weil es keinen männlichen Thronfolger gab. Sie war von 1740 bis 1780 an der Macht.
Maria Theresia regierte das Habsburger-Reich, weil es keinen männlichen Thronfolger gab. Sie war von 1740 bis 1780 an der Macht. (Foto: Collage: Alexander Bauer, Fotos: Imago)

Maria Theresia ist die einzige Regentin in der Geschichte der Habsburger. Sie führte die Schulpflicht ein und schaffte die Folter ab, aber sie hatte auch eine brutale Seite.

Von Gerhard Fischer

Der große Kaiser Franz Joseph und seine berühmte Frau Sisi wurden in der Kapuzinergruft in Wien schön, aber eher schlicht bestattet; in vergleichsweise einfachen Särgen. Maria Theresia indes, die einzige Regentin Österreichs, ruht – gemeinsam mit Gemahl Franz I. Stephan von Lothringen – in einem prachtvollen Doppelsarkophag: mehr als drei Meter lang, zwei Meter breit, opulent verziert mit Figuren, Zepter, Schwert, Krone und Totenköpfen. Maria Theresia wurde lange als Reformerin, Landesmutter und taffe Monarchin verehrt. Mittlerweile betonen Historiker auch ihre brutale Seite.

Maria Theresia Walburga Amalia Christina wurde am 13. Mai 1717 in Wien geboren. Sie hatte zwei jüngere Schwestern und einen älteren Bruder, der aber sieben Monate nach seiner Geburt starb. Vater Karl VI. traf daher eine Regelung, bekannt als „Pragmatische Sanktion“, die besagte, dass seine älteste Tochter in der Erbfolge Vorrang habe vor anderen Nachfahren, etwa den Kindern seines Bruders.

Nach Karls Tod trat also die 23-jährige Maria Theresia 1740 dessen Nachfolge an. Einige europäische Nachbarn, unter ihnen Bayern, Sachsen, Spanien, Frankreich und Schweden, kritisierten die Machtübernahme der jungen Frau (es war von „Weiberherrschaft gegen die Ordnung Gottes, der Natur und des Menschen“ die Rede) und erhoben Gebietsansprüche. Das Habsburger-Reich kämpfte im Östereichischen Erbfolgekrieg zäh, musste beim Frieden von Aachen 1748 aber einige Gebiete hergeben, etwa große Teile Schlesiens.

Maria Theresias Brutalität zeigte sich unter anderem während des Erbfolgekriegs. Sie ließ im Dezember 1744 alle Jüdinnen und Juden aus Prag vertreiben, immerhin ein Viertel der Stadtbevölkerung. Offiziell warf sie ihnen Illoyalität vor, aber das war wohl nur ein Vorwand. Wahrscheinlicher war ein tief sitzender Antisemitismus Maria Theresias, die eine fundamentale Christin war. Mehr als 10 000 Menschen wurden verjagt, viele von ihnen „starben an Hunger, Kälte, Krankheiten“, heißt es in Monika Czernins Film „Maria Theresias dunkle Seite – Die Vertreibung der Juden aus Prag“.

Von 1745 an nannte sie sich Kaiserin, obwohl sie offiziell keine war, sondern „nur“ Erzherzogin von Österreich und Königin von Böhmen und Ungarn. Es ist ein bisschen kompliziert: Maria Theresia wurde selbst nicht zur Kaiserin gekrönt, weil dieser Titel Männern vorbehalten war. Stattdessen setzte sie sich dafür ein, dass ihr Mann gekrönt wurde, und wie jede Gattin eines Kaisers wurde sie dann Kaiserin genannt. De facto regierte ohnehin Maria Theresia. Nach dem Erbfolgekrieg startete sie Reformen in der Justiz, im Militär, in der Verwaltung und in der Bildung. Sie führte zum Beispiel die Schulpflicht ein, schaffte die Folter ab und ersetzte die zersplitterten Stände durch einen zentralen, absolutistisch regierten Staatsapparat.

Die Regentin galt als eitel und temperamentvoll, und sie liebte angeblich zeit seines Lebens ihren Gatten, mit dem sie 16 Kinder hatte; Franz Stephan hingegen hatte einige Affären. Maria Theresia starb am 29. November 1780 an einer Lungenentzündung. Über ihre letzten Minuten gibt es diese Anekdote: Als Sohn Joseph sagte: „Ihro Mayst. liegen sehr übel“, soll sie geantwortet haben: „Ja, aber gut genug, um zu sterben.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Serie „Original aus Wien“, Folge 14
:Schwarzer Humor mit schwarzer Brille

„Geh ma Tauben vergiften im Park“: Diese Liedzeile machte Georg Kreisler berühmt. Wer war der Mann, der nicht nur Kabarettist war, sondern auch Nazi-Größe Julius Streicher verhörte?

Von Gerhard Fischer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: