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Mani Hussaini:Der Mann, der Utøya instand setzte

Hussaini, leader of the AUF youth wing of the Labour Party, speaks during a memorial ceremony near the government building which was bombed by gunman Anders Behring Breivik in Oslo

Mani Hussaini: Chef von Norwegens Arbeiterjugend und Sommerlagerleiter auf Utøya.

(Foto: REUTERS)

Mani Hussaini ist der Chef der Arbeiterjugend, die sich vier Jahre nach dem Terror wieder auf Utøya trifft. Sein Beispiel zeigt, wie verbreitet Fremdenfeindlichkeit in Norwegen ist.

Von Silke Bigalke, Stockholm

Fünf Minuten, sagt Mani Hussaini. Wer sich nur fünf Minuten mit ihm unterhalte, merke schnell, dass er ein ganz normaler Junge aus Jessheim sei. Jessheim liegt nördlich von Oslo, und Mani Hussaini leitet den Nachwuchsverband von Norwegens Arbeiterpartei, den Arbeidernes Ungdomsfylking (AUF).

Doch weil Hussaini ursprünglich nicht aus Jessheim stammt, sondern aus Syrien, gab es in Norwegen einige hässliche Kommentare, als der 27-Jährige vergangenen Herbst zum AUF-Chef gewählt wurde. Das sei der Untergang Norwegens, musste er in Internetforen lesen. Auf der Facebook-Seite "Stoppt die Islamisierung Norwegens" schrieb einer, man solle den Wahlausschuss umbringen, der Hussaini nominiert hatte.

Zu diesem Zeitpunkt war es nur drei Jahre her, dass der Rechtsextremist Anders Breivik 69 Menschen beim AUF-Sommerlager auf der Insel Utøya getötet hatte. Er begründete die Morde später damit, dass die Partei die Islamisierung des Landes fördere. In Norwegen wird Breivik zwar häufig als Einzeltäter ohne Verbindung zur Gesellschaft betrachtet.

Hussaini war damit beschäftigt, die Insel Utøya wieder instand zu setzen

Doch dass in Norwegen andere seine Abneigung gegen Multikulturalität und vor allem gegen Muslime teilen, zeigen nicht zuletzt die Anfeindungen gegen Hussaini. Der hat zum Jahrestag der Breivik-Anschläge am 22. Juli dazu aufgerufen, gegen Hass, Vorurteile und Verschwörungstheorien, die in Internetforen verbreitet werden, anzugehen. Es reiche nicht aus, die Verfasser solcher Beiträge als Verrückte abzutun.

Hussaini, der sich selbst als nicht religiös beschreibt, kam als Zwölfjähriger nach Norwegen. Seine Familie ist kurdisch und floh aus Syrien, weil Hussainis Vater dort als Mitglied der Demokratischen Partei Kurdistan-Syrien verfolgt wurde. Sein Flüchtlingshintergrund sei auch eine seiner Stärken, sagt Hussaini, der in Oslo Technologie und Innovation studiert. Er gebe ihm eine zusätzliche Perspektive auf die Dinge.

Als Schlüsselmoment beschreibt Hussaini seine ersten Erfahrungen mit der Parteijugend. Es sei seltsam gewesen zu erkennen, dass in Norwegen möglich war, was in Syrien als undenkbar galt: dass er politisch Einfluss nehmen konnte, selbst als Jugendlicher. 2006 trat er der Nachwuchsorganisation AUF bei und kletterte bis in ihr Leitungsteam. Seine politischen Ziele hat er einmal so zusammengefasst: Armut abschaffen, Klimawandel stoppen, Weltfrieden.

In den vergangenen Monaten hat sich der neue AUF-Chef vor allem damit beschäftigt, die Insel Utøya wieder instand zu setzen. Im August soll dort zum ersten Mal seit den Anschlägen wieder ein Sommerlager stattfinden. Es wird das erste Treffen unter der Leitung von Hussaini sein, der 2011 nicht auf der Insel war. Sein Vorgänger Eskil Pedersen war damals so alt wie er und genauso neu in diesem Job. Auf Utøya war er ein Hauptziel Breiviks, entkam aber in einem Boot. Für seine Flucht wurde er später viel kritisiert, 2014 zog er sich als AUF-Chef zurück.

© SZ vom 23.07.2015/fued
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