bedeckt München 16°
vgwortpixel

Malta:Kapitän der "Lifeline" soll vor Gericht gestellt werden

The charity ship Lifeline is seen at Boiler Wharf in Senglea, in Valletta's Grand Harbour

Die Lifeline vor Malta.

(Foto: REUTERS)
  • Dem Kapitän des deutschen Rettungsschiffes Lifeline soll in Malta der Prozess gemacht werden.
  • Dabei soll es um Verfehlungen mit der Registrierung des Schiffes gehen.

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs Lifeline soll auf Malta vor Gericht gestellt werden. Claus-Peter Reisch werden Verfehlungen im Zusammenhang mit der Registrierung des Schiffes vorgeworfen, wie der maltesische Rechtsbeistand Neil Falzon der Dresdner Organisation Mission Lifeline mitteilte. Der Gerichtstermin sei am Montag.

"Wir werden unser Möglichstes tun, um diese Sache aufzuklären und sicherzustellen, dass Hilfsorganisationen nicht zum Ziel werden, weil sie Menschen in Seenot retten", sagte Falzon. Ein Sprecher des Büros von Premier Joseph Muscat bestätigte die Vorwürfe, machte aber keine weiteren Angaben.

Politik Europäische Union Es geht um alles
Europa

Es geht um alles

Die Europäische Union hat es lange geschafft, den nackten nationalen Vorteil der Staaten zugunsten des gemeinsamen Vorteils zu opfern. Doch dieses so erfolgreiche Prinzip wird jetzt von den Nationalisten frontal attackiert. Ihr Rausch wird mit einem Kater enden.   Kommentar von Stefan Kornelius

Maltas Justiz bestellte Kapitän Reisch schon zweimal ein. Der Organisation wird vorgeworfen, sie kreuze mit falscher Beflaggung und die Crew schalte zuweilen den Transponder aus, damit das Schiff nicht zu orten sei. Vor allem habe die Lifeline Orders der Koordinationsstelle der italienischen Küstenwache missachtet, als sie nach Norden aufbrach.

Das Schiff fährt nach Angaben der Dresdener Hilfsorganisation unter niederländischer Flagge, was die dortigen Behörden aber bestreiten. Es ist nur im Register des Wassersportverbandes eingetragen. Die "Lifeline" hatte vor einer Woche etwa 230 Migranten vor Libyen gerettet und musste danach tagelang auf Hoher See ausharren, weil kein Staat sie in einen Hafen einlaufen lassen wollte. Schließlich durfte das Schiff am Mittwoch in Malta anlegen. Der Kapitän wurde verhört und festgehalten, seine Crew durfte von Bord gehen.

Der Vorgang war angesichts der derzeit zugespitzen Diskussion in der Flüchtlingspolitik auch Thema einer Aktuellen Stunde im Deutschen Bundestag. Zu der wurde Innenminister Horst Seehofer per Parlamentsbeschluss vorgeladen, da eine Abgeordnete der Grünen der Meinung war, die Bundesregierung sei bei der Debatte unterrepräsentiert. Seehofer verkündete, er sehe "keine Handlungsnotwendigkeit", von dem Schiff aufgenommene Migranten in Deutschland unterzubringen, da sich acht EU-Staaten zu deren Aufnahme bereit erklärt hätten. Zu den acht Ländern Malta, Italien, Portugal, Frankreich, Irland, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg kam am Donnerstag Norwegen hinzu, das bereit ist, Flüchtlinge aufzunehmen.

© SZ.de/dpa/jael/lkr
Flüchtlings- und Migrationspolitik Seehofer: Keine Notwendigkeit, "Lifeline"-Flüchtlinge aufzunehmen

Rettungsschiff im Mittelmeer

Seehofer: Keine Notwendigkeit, "Lifeline"-Flüchtlinge aufzunehmen

Das sagt der Innenminister im Bundestag. Zuvor war er auf Beschluss des Plenums ins Parlament zitiert worden. Das Rettungsschiff ist inzwischen in den Hafen von Valletta in Malta eingelaufen.

Zur SZ-Startseite