Malta:Weitere Anklage im Fall Caruana Galizia

Malta: Der Angeklagte Yorgen F. beim Verlassen eines Gerichtsgebäudes in Valletta im November 2019.

Der Angeklagte Yorgen F. beim Verlassen eines Gerichtsgebäudes in Valletta im November 2019.

(Foto: AP/AP)

Der Geschäftsmann Yorgen F. soll den Mord an der Journalistin in Auftrag gegeben haben.

Maltas Justiz hat im Fall der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia einen weiteren Verdächtigen offiziell angeklagt. Der maltesische Geschäftsmann Yorgen F. ist nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft der Mann, der den Mord an Caruana Galizia in Auftrag gab. Dafür wollen die Ankläger Yorgen F. lebenslang hinter Gitter sehen, zuzüglich einer Strafe von 20 bis 30 Jahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Die Investigativjournalistin Caruana Galizia, die Korruption und kriminellen Machenschaften bis in höchste politische Zirkel Maltas auf der Spur war, wurde durch eine Autobombe im Oktober 2017 ums Leben gebracht. Ein Mittäter ist zu 15 Jahren Haft verurteilt; zwei Männern, die angeklagt sind, die Bombe platziert und ausgelöst zu haben, steht der Prozess bevor. Ein Mittelsmann des Mordkomplotts erhielt Straffreiheit für die Informationen, die er den Ermittlern gab.

Yorgen F., der am Mittwoch formell in Valetta angeklagt wurde, war im November 2019 wegen des Mordes festgenommen worden. Er hatte zuvor versucht, mit seiner Yacht von der Insel zu fliehen. Der 39-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Er bezichtigte den Stabschef des früheren Premiers Joseph Muscat, Hintermann des Anschlags zu sein. Muscat musste im Zusammenhang mit dem Verbrechen zurücktreten, mehrere von ihm geschützte Regierungsmitglieder standen unter Korruptionsvorwürfen, denen Caruana Galizia nachgegangen war.

Yorgen F. hat den Ermittlungen zufolge 150 000 Euro als Lohn für den Mord bezahlt und einen Taxifahrer beauftragt, die Killer anzuheuern. Zahlreiche Aussagen und Indizien belasten F. Er gilt als millionenschwer, betrieb in Malta und anderen Ländern Unternehmen, darunter Hotels und Casinos, und war im Energie- und Immobiliensektor tätig. Als Eigentümer von Offshore-Firmen tauchte er im Zuge der "Panama Papers" auf. Sein Vermögen wurde eingefroren.

Die Staatsanwaltschaft in Valetta gab nun zudem bekannt, dass F. mit Bitcoin ein ganzes Waffenarsenal im Darknet eingekauft habe. Demnach erwarb er Granaten, Gewehre, Handfeuerwaffen und das Gift Zyanid in dem versteckten Teil des Internet. Dies geschah im November 2018, rund ein Jahr nach dem Mord an der Reporterin und in dem Monat, als Journalisten Yorgen F. als Besitzer einer Firma in Übersee entlarvten, die mit Korruption in höchsten Politikerkreisen in Verbindung gebracht wurde.

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