Mali:Zielort: Wüste

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Mali: Noch 52 Tage Kamelritt bis Timbuktu: Schild am Rande der Sahara.

Noch 52 Tage Kamelritt bis Timbuktu: Schild am Rande der Sahara.

(Foto: imago stock&people)

Nach neun Jahren landen wieder Flieger in der Oasenstadt Timbuktu.

Von Bernd Dörries

Die Musik einer Blaskapelle wartete Anfang dieser Woche auf die Boeing 737-500, und spielte ein Lied, das sich nach "And he is a jolly good fellow" anhörte, vielleicht aber auch etwas ganz anderes war. Der Wind blies so stark, dass die Musik über die Landebahn des Flughafens von Timbuktu verweht wurde. Der Wüstensturm war aber zu schwach, um die Landung des ersten kommerziellen Fluges seit neun Jahren in die mystische Wüstenstadt zu verhindern. Was fehlte beim Jungfernflug, war das sonst übliche Besprühen der Maschine mit den Kanonen der Flughafenfeuerwehr. Womöglich, weil das Wasser in der Wüste eher knapp ist.

Einige Passagiere gaben nach der Landung freundlich Auskunft über die Ausstattung des Flugzeugs (106 Sitzplätze, plus zwölf erste Klasse) und den Verlauf der Reise. "Der Flug war sehr gut, wir sind in einem guten Zustand angekommen", sagte ein Passagier dem Sender Africanews. Der bei Ankunft unversehrte Zustand der Passagiere ist das größte Verkaufsargument der neuen Fluggesellschaft Sky Mali. Die 700 Kilometer von der Hauptstadt Bamako bis nach Timbuktu konnten in den vergangenen Jahren von Reisenden nur per Bus oder Geländewagen zurückgelegt werden. Eine meist mehrtägige Exkursion auf einer Straße, die oft von der Wüste verschlungen wird, sich gesamtbaulich in einem eher mäßigen Zustand befindet - und vor allem durch Gebiete führt, die sich unter der Kontrolle von Banditen und Islamisten befinden, wobei die Übergänge fließend sind.

Timbuktu war lange ein Anziehungspunkt für Reisende - dann kamen die Islamisten

Die Region hat es nicht leicht gehabt in den vergangenen Jahrzehnten. Timbuktu war lange ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt, ein Sehnsuchtsort mit wunderschönen Lehmbauten, ein Ort der Kultur - in den Bibliotheken der Gelehrten ließen sich Tausende Jahre alte Schriften bestaunen. Das war den Islamisten zu viel, die die Stadt 2012 überrannten, wovon sich Timbuktu bis heute nur zum Teil erholt hat.

Die Touristen sind noch nicht zurück, zu unsicher ist es dort. Aber der neue Flug ist zumindest eine kleine Rückkehr zur Normalität. Und das mitten in der Corona-Krise, in der Fluglinien eher schließen, als neue Routen zu eröffnen. Im Nachbarland Niger hat gerade die Fluglinie Niger Airlines zugemacht, die in Wahrheit nur die umlackierten Flugzeuge der Fluglinie Palästinas war, samt deren Besatzung, die den Flugreisenden gerne erzählte, wie sie nach der Einstellung des Flugverkehrs in den besetzten Gebieten selbst Mails schrieben in alle Welt, auf der Suche nach einem Land, in dem es noch keine eigene Fluglinie gab, und dann in Niger fündig wurden und einfach hinflogen mit ihren beiden Maschinen.

Der Flugverkehr ist sicherer geworden in Afrika in den vergangenen Jahren, aber in vielen kleinen Ländern gehen die staatlichen Fluggesellschaften in regelmäßiger Abfolge pleite. In Mali scheint man die Dinge nun professioneller anzugehen. Investoren aus den Golfemiraten haben gleich vier recht moderne Maschinen mitgebracht und auch eine App für Mobiltelefone. Künftig sollen noch mehr Flüge von und nach Timbuktu angeboten werden. Aber das Leben wird erst wieder so wie früher sein, sagen die Bewohner, wenn auch die Straße in die Hauptstadt wieder sicher ist.

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