Mali:Russische Wagner-Söldner in Timbuktu

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Mali: Demonstranten in Bamako, die für eine Kooperation zwischen Mali und Russland auf die Straße gehen.

Demonstranten in Bamako, die für eine Kooperation zwischen Mali und Russland auf die Straße gehen.

(Foto: Nicolas Remene/imago images/Le Pictorium)

Westafrikanische Staaten beraten über die angespannte Lage in Mali. Dort sollen Söldner im Kampf gegen Islamisten helfen. In der Bevölkerung sind sie populärer als die Franzosen.

Von Bernd Dörries, Kapstadt

Als französische Soldaten im Januar 2013 die sagenumwobene Wüstenstadt Timbuktu von den islamistischen Terroristen befreiten, jubelte ihnen die Bevölkerung zu. Die Befehlshaber ließen sich noch in der Nacht durch die Gassen der mystischen Lehmstadt führen, sich Moscheen, Paläste und Bibliotheken zeigen. Feuchte Augen sollen die Offiziere gehabt haben.

Fast acht Jahre später, am 15. Dezember 2021, zogen die französischen Truppen wieder ab. Es gab keine Tränen, die Straßen blieben leer, was insofern kein ganz bitterer Abzug war, weil in der malischen Hauptstadt Bamako ein paar Hundert Kilometer weiter anti-französische Demonstrationen mittlerweile zur Wochenroutine gehören. In Timbuktu sprach ein französischer Offizier ein paar nüchterne Worte, dann wurde den malischen Truppen symbolisch der Schlüssel für den Truppenstützpunkt übergeben, von dem aus sie für Sicherheit und Ordnung im chronisch unsicheren Norden des Landes sorgen sollten.

Die malischen Soldaten gaben den Schlüssel aber einfach weiter, seit einigen Tagen befinden sich offenbar russische Söldner in den Anlagen, die die Franzosen mit aufgebaut hatten. Europäische Diplomaten in Bamako bestätigen, dass die Wagner-Truppen bereits seit einigen Tagen ins Land kommen, die französische Zeitung Le Monde spricht von mittlerweile 350 Söldnern, die bei ihrer Einreise nicht durch die üblichen Grenzkontrollen am Flughafen mussten, sondern unauffällig am Ende der Start- und Landebahn abgefertigt wurden. Malis Regierung hat bisher nur eine offizielle russische Ausbildungsmission zugegeben, für den Kreml existiert die Söldnertruppe ohnehin gar nicht.

Der Einsatz hatte sich seit Monaten angekündigt. Das Verhältnis von Mali zur ehemaligen französischen Kolonialmacht hatte sich stetig verschlechtert. Nachdem das malische Militär im Mai 2021 zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit putschte, kündigte Macron die Reduzierung des Anti-Terror-Einsatzes der französischen Armee an, mit Blick auf die Länder der Sahel-Zone sagt er, dass deren "Verantwortliche selbst nicht zur Stabilisierung" beitrügen. Wenig später brachte die malische Junta die Wagner-Gruppe ins Spiel. Anfangs wohl eher als Option für die Verhandlungen mit Frankreich, später als reale Möglichkeit.

Mit Rohstoffen belohnt

Zehn Millionen Dollar soll der Einsatz in Mali kosten, Geld, das die Regierung nicht hat. Das Geschäftsmodell von Wagner ist aber ohnehin ein anderes, die Söldner kommen in gescheiterte Staaten wie den Sudan oder die Zentralafrikanische Republik, helfen schwachen Regierungen dabei, an der Macht zu bleiben und werden dafür mit Rohstoffen bezahlt. Lizenzen zum Goldabbau kämen in Mali als Gegenleistung in Frage.

Bei Teilen der Bevölkerung in Mali ist die Ankunft der Russen trotzdem durchaus populär. Die Anwesenheit der Franzosen hatte die Sicherheitslage nicht verbessern können, der Staat ist im Zentrums Malis kaum präsent, dort haben Milizen das Sagen, die die Zivilbevölkerung misshandeln. Dort will die Militärregierung nun wieder stärker präsent sein. Die Wagner-Söldner sollen am Montag bereits in erste Gefechte mit Islamisten verwickelt worden sein.

Frankreich hatte die Entsendung russischer Söldner einst als rote Linie bezeichnet. Auch in Deutschland wird der Einsatz in Mali immer kritischer gesehen. Für die UN-Mission und eine EU-Ausbildungsmission sind derzeit insgesamt etwa 1200 Bundeswehrsoldaten im Land. "Wenn wir uns zurückziehen, überlassen wir einer russischen Privatarmee das Feld und gefährden alles, was erreicht wurde", sagt Christian Klatt, der Leiter der Friedrich Ebert Stiftung in Bamako. "Die Ausbildung der malischen Soldaten hat dazu geführt, dass die Übergriffe auf die Zivilbevölkerung zurückgegangen sind. Sie können sich im Einsatz deeskalierend verhalten, kennen ihre Rolle besser."

Für die Spitze der Armee gilt das aber nicht unbedingt. Der auch in Deutschland ausgebildete Offizier Assimi Goïta hat sich nach zwei Putschen selbst zum Präsidenten ernannt. Vor einer Woche verschob er die ursprünglich für Februar 2022 geplanten Wahlen um sechs Monate bis fünf Jahre. Die Opposition protestiert heftig, der Armeespitze ginge es nur um die Sicherung von Macht und wirtschaftlichen Vorteilen, aber auch manche Menschenrechtsgruppen gestehen ein, dass bei baldigen Wahlen ein großer Teil der Bevölkerung aufgrund der schwierigen Sicherheitslage nicht teil nehmen könnte.

An diesem Sonntag will die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) über den Umgang mit Mali beraten. Sie wendet sich laut Satzung strikt gegen Putsche und könnte eine Grenzblockade verhängen und das Einfrieren der malischen Konten bei der Zentralbank der westafrikanischen Staaten verlangen. Mit der Gefahr, dass die Wirtschaft des Landes zusammenbricht und die Lage weiter eskaliert.

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