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Mali:Anschlag im Norden Malis

Ein Selbstmordanschlag erschüttert die nordmalische Stadt Gao - kurz bevor die deutsche Verteidigungs­ministerin zu Besuch kommt.

Nach einem Selbstmordanschlag im westafrikanischen Mali, wo die Bundeswehr seit 2013 stationiert ist, haben deutsche Soldaten geholfen, Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisationen zu evakuieren, einen Checkpoint zu sichern und durch den Einsatz der Heron-Drohne zur besseren Aufklärung der Lage beizutragen. Der Anschlag ereignete sich am Montag gegen 19 Uhr Ortszeit in Gao, im Norden Malis, einen Tag bevor Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den dort eingesetzten deutschen Soldaten am Dienstag einen Besuch abstattete.

Nach ersten Informationen hatte ein Selbstmordattentäter ein Auto in das Gebäude einer Nichtregierungsorganisation gesteuert, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeitet. Zwei Menschen starben, 30 wurden verletzt, unter ihnen sollen auch etwa zehn Kinder sein. Zu dem Anschlag bekannte sich die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündete islamistische Gruppe JNIN. Verteidigungsministerin von der Leyen zeigte sich bestürzt über das Attentat. Deutschland werde den Menschen in Mali, die seit vielen Jahren einen "hohen Blutzoll" zahlten, weiterhin "als Partner zur Seite" stehen. Es sei "bitter und traurig", dass so viele malische Zivilisten und Kinder ihr Leben haben lassen müssen, sagte die Ministerin. Die Deutschen hätten umgehend Spähfahrzeuge und ihre Aufklärungsdrohnen eingesetzt.

Im Camp "Castor" in Gao sind derzeit mehr als 730 Soldaten stationiert, die im Rahmen der Mission Minusma der Vereinten Nationen im Einsatz sind, um den Friedensprozess in dem afrikanischen Krisenland zu begleiten. 2012 war der Norden des Landes von Islamisten erobert worden. Die malische Armee hatte den Terroristen kaum etwas entgegenzusetzen. Insgesamt hat die Bundeswehr in Mali 1000 Soldaten stationiert, die die malische Armee durch Ausbildung und Aufklärung unterstützen.

Der Anschlag rückt den Fokus auf die immer noch höchst fragile Sicherheitslage im Norden des Landes. Internationale Beobachter sagen, es sei schwierig, handfeste Erfolge im Friedensprozess auszumachen. In diesem Jahr hat die Anzahl der Anschläge im Norden wieder zugenommen. Eine Verbesserung der Lage sei "derzeit faktisch noch nicht greifbar", hieß es aus Militärkreisen.

Von der Leyen machte sich bei ihrer dreitägigen Reise nach Mali und Niger, von wo aus die Bundeswehr ihre Soldaten im Nachbarland logistisch unterstützt, persönlich ein Bild. "Die Lage ist angespannt und bleibt es", sagte sie. Der Anschlag verdeutliche abermals die "tägliche Herausforderung für die Soldaten im Land".

Von der Leyen sieht die malische Regierung in der Verantwortung, wieder mehr Kraft in den Friedensprozess zu investieren. Beim Treffen mit der Regierung machte sie deutlich, dass die Menschen Fortschritte sehen wollten. Zunehmend bereitet den Deutschen auch die Lage in Zentralmali Sorgen, wo innerhalb der Bevölkerungsgruppen Konflikte immer blutiger ausgetragen werden. Von der Leyen will in der nächsten Zeit prüfen, wie die Aufklärungserkenntnisse der Bundeswehr effektiver im internationalen Verbund verwendet werden könnten.

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