bedeckt München 26°

Malawi:Korrektur der Tipp-Ex-Wahl

Klarer Wahlsieger: Oppositionskandidat Lazarus Chakwera besucht sein Wahllokal in Malawi.

(Foto: Amos Gumulira/AFP)

Oppositionskandidat Chakwera siegt bei erneuter Präsidentschaftswahl - die erste hatte ein Gericht annuliert.

Von Anna Reuß

In Malawi hat Oppositionskandidat Lazarus Chakwera bei der Wiederholung der Präsidentschaftswahlen staatlichen Medien zufolge rund 60 Prozent der Stimmen erhalten. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Auszählung des Rundfunksenders MBC hervor. Demzufolge habe der amtierende Präsident Peter Mutharika etwa 39 Prozent der Stimmen erhalten. Damit gilt Chakwera als Wahlsieger - ein zweiter Wahlgang, der für Anfang Juli vorgesehen gewesen war, ist nicht nötig. Das Oppositionsbündnis hatte bereits am Donnerstag Chakwera zum Sieger erklärt. Die staatliche Wahlkommission hat hingegen noch kein offizielles Ergebnis bekannt gegeben.

Ein Gericht hatte das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen von Mai 2019 Anfang des Jahres wegen Betrugs annulliert. Malawi ist erst der zweite afrikanische Staat überhaupt, in dem Richter die Ergebnisse einer Wahl für ungültig erklärten. Zuvor hatte 2017 der Oberste Gerichtshof von Kenia den Sieg von Präsident Uhuru Kenyatta für ungültig erklärt. Kenyatta wurde zwar bei der nachgeholten Abstimmung wiedergewählt, allerdings war die Wahlbeteiligung dabei gering. Viele Afrikaner sahen in der Entscheidung der malawischen Richter deshalb einen Sieg für die Demokratie auf dem Kontinent.

In einer Erklärung von Chakweras Oppositionsbündnis hieß es: "Die Malawier haben endlich ihr Schicksal zurückerobert." Nun sei klar, dass die Bürger der Opposition das Mandat erteilt hätten, das Land zu regieren. Chakweras Anhänger feiern bereits einen aus ihrer Sicht historischen Sieg: Es wäre nach dem Urteil auch das erste Mal im Afrika südlich der Sahara, dass ein Wahlergebnis für ungültig erklärt wurde und anschließend die Opposition auf demokratische Weise an die Macht kommt. Oppositionelle aus anderen afrikanischen Ländern begrüßten den Sieg Chakweras.

Das Lager Mutharikas hatte die Wahl 2019 dilettantisch manipuliert. Viele Malawier gingen deshalb auf die Straße und protestierten mehrere Monate lange gegen die sogenannte "Tipp-Ex-Wahl". Die Oppositionsparteien behaupteten zudem, zahlreiche Urnen seien am Wahltag bereits mit ausgefüllten Stimmzetteln gefüllt gewesen.

© SZ vom 27.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite