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Mainzer OB Beutel tritt zurück:Mainz, wie es zürnt und kracht

Der Geschäftsführer der Wohnbau hieß Rainer Laub, CDU-Mitglied und ehemaliger Fraktionsgeschäftsführer der Stadtratsfraktion. Laub und OB Beutel waren nicht nur Duz-Freunde. Die Rede ist von Reisen, Geschenken und Gefälligkeiten: Beutel ließ etwa sein Haus auf einem Grundstück der Wohnbau errichten - in günstiger Erbbaupacht. Jährliche Ersparnis: etwa 6000 Euro. Beutel sagte dazu, er habe sich nichts vorzuwerfen.

Nur ein "Missverständnis" ist für Beutel ein delikater Fall, der an die "Ruanda-Zeche" erinnert. Wohnbau-Manager Laub und das Stadtoberhaupt reisten zweimal gemeinsam zum Tegernsee samt Ehefrauen. Beutel sagt, Laub habe ihn zu den beiden Trips nach Oberbayern eingeladen. Laub widerspricht: Beim zweiten Mal sei Beutel einfach abgereist, ohne zu bezahlen. Beutels Antwort: "Das mache ich eigentlich seltener."

Vielleicht dachte der Oberbürgermeister, es liefe so ab wie häufig, wenn er auf Reisen ist: nämlich für lau. Als Mitglied des Aufsichtsrats der Überlandwerke Groß-Gerau begleitete er 2004 samt Gattin die Firmenspitze auf die italienische Insel Capri. Die Gesamtkosten der Sause - Blumen und Champagner inklusive - beliefen sich auf fast 50.000 Euro. Das Amtsgericht Mainz sah keinen dienstlichen Anlass für die Luxus-Reise und konstatierte Untreue. Der OB nahm den Strafbefehl über 9600 Euro an - und gab sich uneinsichtig. Wieder erklärte er, er habe sich nichts vorzuwerfen.

Ein anderes Mal fuhr Beutel umsonst an den Bodensee: Robert Graßl, der Geschäftsführer der Mainzer Messegesellschaft, lud den Oberbürgermeister zu den Bregenzer Festspielen ein, kam für Hotel und Opernbesuch auf. Pikant: Beutel war Aufsichtsratschef der städtischen Grundstücksverwaltungsgesellschaft, die eng mit Graßls Unternehmen zusammenarbeitet.

In der vergangenen Woche war Beutel als Zeuge vors Koblenzer Landgericht geladen, wo er zum Desaster der Wohnbau Mainz GmbH aussagte und sich an kaum etwas erinnern konnte. Dieser Auftritt brachte viele Sozialdemokraten mächtig in Wallung, auch wenn zunächst nur wenige ihrem Ärger offen Luft machten. Als dann wenige Tage später die Zechprell-Geschichte aus Kigali publik wurde, war das Maß des Erträglichen überschritten. Mainz, wie es zürnt und kracht.

"Es ist hochnotpeinlich"

Unter den Genossen in der gemütlichen Landeshauptstadt brodelte es: "Es ist hochnotpeinlich", sagte kurz vor dem Rücktritt eine Stimme aus der SPD zu sueddeutsche.de, Beutel sei generell gern ohne Geld unterwegs. Die Rhein-Zeitung zitierte Genossen aus dem Stadtteil Mombach, wo Beutel wohnt mit den Worten: "Der bezahlt doch nie etwas." Der Mainzer SPD-Parteichef Michael Ebling bestätigte der Allgemeinen Zeitung: "Der Ärger ist riesengroß."

Bis zuletzt kämpfte Beutel um seinen Posten mit einer Strategie aus Eingestehen und Herunterspielen: Er habe die Zeche nicht prellen wollen, für sein "Fehlverhalten" spende er gerne 1000 Euro einer Mainzer Hilfsorganisation. Dies sei aber nicht als "Freikauf" zu verstehen. Gleichwohl sei das ganze eine "Petitesse" und gleiche einer "Verfolgungsjagd".

All das nutzte nichts mehr, Beutels Beschwichtigungsversuche kamen zu spät: Die SPD hatte sich von ihm abgewandt, sie wollte den Oberbürgermeister loswerden.

Vor seinem Abgang hat Jens Beutel immerhin die Schulden aus Ruanda beglichen: Für Innenminister Lewentz, der Beutels Abendtrunk im fernen Kigali blechen musste, ist damit "alles geklärt", sagte sein Sprecher zu sueddeutsche.de.

Der Autor diskutiert unter twitter.com/#!/oliverdasgupta

© sueddeutsche.de/mati
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