Mahmud Ahmadinedschad:Holocaustleugner mit Heiligenschein

Nach der heutigen Vereidigung tritt Präsident Ahmadinedschad seine zweite Amtszeit an. Bizarre Erinnerungen an die erste gibt es zur Genüge: die Zitate des Präsidenten.

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Als er 2005 erstmals für das Amt des Präsidenten in Iran kandidierte, bezeichnete sich Mahmud Ahmadinedschad volksnah als "kleiner Diener und Straßenkehrer der iranischen Nation". Besonders gern kehrt er vor fremden Haustüren. Israel ist das häufigste Ziel seiner Attacken; doch auch in interne Vorgänge mischt sich Ahmadinedschad gerne ein, obwohl er selbst oft gegen den Einfluss "fremder Mächte" in seinem Land wettert. Zuletzt griff er die deutsche Justiz nach der Ermordung einer Ägypterin in einem Dresdner Gerichtssaal an. Auch zu Themen wie Holocaust oder Homosexualität äußert er sich kontrovers.

sueddeutsche.de hat die absurdesten Äußerungen Ahmadinedschads gesammelt.

Nachdem ein Russlanddeutscher während des Gerichtsverfahrens gegen ihn die Zeugin Marwa E. aus Ägypten ermordet hatte, griff Ahmadinedschad Deutschland scharf an. Er forderte sogar Konsequenzen auf internationaler Ebene:

Der Vorfall sei ein Beweis"für die Brutalität der deutschen Regierung und ein absoluter Beweis für die Korruption des deutschen Justizsystems. (...) Der Richter, die Jury und die deutsche Regierung sind in dieser Hinsicht alle Verbrecher, die dafür verantwortlich gemacht werden müssen. (...) Wir wollen, dass der UN-Sicherheitsrat sie bestraft."

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Aufgestachelt von Ahmadinedschads Äußerungen demonstrierten Iraner vor der deutschen Botschaft in Teheran und beschmierten das Gebäude mit Hakenkreuzen und Davidsternen. Sie riefen "Nieder mit Deutschland" und "Nieder mit den rassistischen Europäern".

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Großen Wirbel um Ahmadinedschad gab es um einen Satz, den er 2005 in einer Rede auf der Konferenz mit dem Titel "Eine Welt ohne Zionismus" gesagt hatte. Staatliche iranische Nachrichtenagenturen meldeten, der iranische Präsident habe gefordert, der Staat Israel müsse "von der Landkarte getilgt" werden. Westliche Nachrichtenagenturen verbreiteten das Statement, das zu einem Aufschrei in Israel und anderen Staaten führte. Die Formulierung "von der Landkarte tilgen" geht aber wohl auf einen Übersetzungsfehler zurück. Tatsächlich hatte Ahmadinedschad den Revolutionsführer Ayatollah Chomeini zitiert und gesagt:

"Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden."

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Damit bezog er sich wohl auf die Besetzung Jerusalems durch Israel. Andere iranische Regierungsmitglieder versicherten umgehend, dass Ahmadinedschads Worte keine Drohung gegenüber dem jüdischen Staat darstellten sollten. Seine Kritiker bleiben misstrauisch und verweisen auf die vielen anderen antiisraelischen und antisemitischen Äußerungen Ahmadinedschads.

Demonstration in Nürnberg 2006 gegen Ahmadinedschads Äußerung/ Archivfoto: dpa

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Im Wahlkampf im Frühjahr 2009 musste Ahmadinedschad den Spott seiner Landsleute ertragen. Sein Herausforderer Mir Hussein Mussawi ließ ein Video verbreiten, das Ahmadinedschad als abergläubisch bloßstellt. Der Präsident erzählt darin von seiner Rede in der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York im Jahr 2005, während der ihn ein Heiligenschein umgeben habe:

"Ein Mitglied der iranischen UN-Delegation sagte mir: 'Ich habe gesehen, dass du von einem Licht umgeben warst.' Ich selbst habe das auch bemerkt. Ich spürte, wie sich die Atmosphäre wandelte. Die Politiker im Publikum zuckten nicht mehr mit der Wimper - 27 oder 28 Minuten lang. (...) Sie hatten Augen und Ohren weit geöffnet, um die Botschaft der Islamischen Republik zu hören."

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Im Sommer 2006 war Ahmadinedschad auf der Suche nach Brieffreunden: Er schrieb dem US-Präsidenten George W. Bush und Angela Merkel. In seinem Brief an die Bundeskanzlerin gab er sich versöhnlich und wünschte sich eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Iran. Doch er ließ auch diese Gelegenheit nicht aus, um am Holocaust zu "zweifeln". Der sei eine Erfindung der Allierten, um Deutschland zu kontrollieren, behauptete Ahmadinedschad:

"Ist es nicht nachvollziehbar, dass bestimmte Siegerstaaten des Zweiten Weltkriegs diese Entschuldigung erfunden haben, um das besiegte Volk dauerhaft zu beschämen und seinen Fortschritt aufzuhalten?"

Angela Merkel antwortete nicht auf Ahmadinedschads Brief.

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2007 hielt Mahmud Ahmadinedschad eine Rede an der New Yorker Columbia University, nachdem die ihn eingeladen hatte. Tausende New Yorker protestierten dagegen, dass die renommierte Universität ihm ein Podium bot, um seine wirren Thesen zu verbreiten. Auf die Diskriminierung von Homosexuellen in Iran angesprochen, antwortete der Präsident allerdings derart weltfremd, dass ihm aus dem Publikum hämisches Gelächter statt Ärger entgegenschlug:

"Wir haben in Iran keine Homosexuellen wie ihr in eurem Land. Wir haben dieses Phänomen nicht. Ich weiß nicht, wer Ihnen gesagt hat, wir hätten es."

Laut der internationalen Menschenrechtsorganisation International Lesbian and Gay Association, des weltweiten Dachverbandes der Organisationen, die für Schwulen- und Lesbenrechte kämpfen, ist Iran eines der Länder, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft werden kann.

Demonstranten auf den Philippinen protestieren 2005 gegen Hinrichtungen von Homosexuellen in Iran/ Foto: AFP

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Den Holocaust leugnet Ahmadinedschad nicht nur gegenüber dem Westen, auch im Wahlkampf verbreitet er antisemitische Verschwörungstheorien. Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl 2009 bezeichnete er den Völkermord an den Juden als "großen Betrug". 2006 hatte Ahmadinedschads Regierung bereits eine pseudowissenschaftliche Holocaust-"Konferenz" veranstaltet, auf der sich Leugner des Genozids getroffen hatten.

Wahlkampfveranstaltung für Ahmadinedschad 2009/ Foto: dpa

(sueddeutsche.de/jab/lala)

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