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Magna-Gründer Frank Stronach:Finanzielle Möglichkeiten, die an Berlusconi erinnern

Die jüngste Umfrage sieht die FPÖ nun bei 21 Prozent, hinter SPÖ und ÖVP, das BZÖ bei drei Prozent. Bliebe es dabei, hätte die regierende rot-schwarze Koalition keine Mehrheit - und Newcomer Stronach könnte plötzlich zum Königsmacher werden. Er peilt ein Ergebnis von mehr als zehn Prozent an, will sich aber nur unter bestimmten Bedingungen einbinden lassen. Eine Koalition mit ihm gebe es "nur, wenn unsere Werte übernommen werden und unser Programm akzeptiert wird", sagte Stronach am Wochenende. "Wir gehen keine Kompromisse ein."

Spitzenpersonal der österreichischen Rechtsaußen-Partei FPÖ: Parteiobmann Heinz-Christian Strache mit Generalsekretär Herbert Kickl

Spitzenpersonal der österreichischen Rechtsaußen-Partei FPÖ: Parteiobmann Heinz-Christian Strache (re.) mit Generalsekretär Herbert Kickl

(Foto: REUTERS)

Seine Forderung nach einem schnellen Austritt Österreichs aus der Gemeinschaftswährung aber ist sogar der rechtspopulistischen Konkurrenz zu extrem. "Der Austritt an sich löst kein Problem", sagte etwa der FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, in dessen Partei Anti-EU-Hetze identitätsstiftend ist.

Stronach schimpft auf die EU und propagiert den schlanken Staat, neoliberal will er aber nicht sein. Er gibt den fürsorglichen Spross des Alpenlandes, der sich um seine Heimat kümmert. Doch von ihm, dem Weltbürger, kommen keine Anti-Islam-Parolen, keine Angstmacherei vor Zuwanderung und bislang kein Personal mit bräunlichen Anwandlungen. Frank Stronach ist eine populistische Alternative ohne Ruch. Das macht ihn so gefährlich für die FPÖ.

Die Rechtspopulisten beteuern, dass Stronach ihnen keine Sorge mache. Die verbale Breitseite von Parteichef Strache offenbart allerdings, wie sehr der Selfmademan die Rechtspopulisten nervt. Stronach habe doch nur "geschäftliche Interessen", behauptet Strache, und: "Mit Geld kann man nicht alles kaufen, man kann - wie Herr Stronach - den einen oder anderen Politiker kaufen."

In der Tat basiert Stronachs gute Ausgangsposition auch auf seinen finanziellen Möglichkeiten, die an Silvio Berlusconi erinnern: Für den Wahlkampf veranschlagt Stronach ein Budget von mehr als 20 Millionen Euro. Für ein kleines Land mit etwa 8,5 Millionen Einwohnern ist das eine beachtliche Summe. Nun braucht er nur noch Köpfe. Die scheint er zu bekommen: Hunderte Bürger sollen sich schon bei ihm gemeldet haben, um in seiner Partei mitzumachen. Eine davon ist Waltraud Friedrich und das wird die FPÖ besonders wurmen: Sie führte noch vor ein paar Jahren die Fraktion der Rechten im steirischen Landtag.

Vom Tellerwäscher zum Milliardär

Mit einem Pfund kann Stronach schon jetzt wuchern: Fast jeder kennt ihn. Er ist der reiche Onkel aus Amerika. Ein Österreicher, der in der Welt bekannt und anerkannt ist. Einer, der es vom Tellerwäscher zum Milliardär gebracht hat.

Geboren als Franz Strohsack in der Steiermark lernte er Werkzeugmacher. Dann wanderte er nach Nordamerika aus - mit angeblich nur 200 Dollar in der Tasche. Anfangs sammelte er Golfbälle und wusch Teller. Dann, 1957, gründete er eine Firma, der er ein paar Jahre später den Namen Magna International verpasste.

Inzwischen arbeiten 74.000 Menschen in 25 Ländern für den Konzern, der Jahresumsatz liegt im zweistelligen Milliardenbereich. Manches, was Stronach anvisiert, geht allerdings schief. Investitionen in einen Freizeitpark oder die Übernahme von Opel beispielsweise. Mit Sponsorengeldern wollte er die chronisch schlechte Fußball-Nationalmannschaft seiner Heimat für die WM 2010 pushen. Auch damit scheiterte er.

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