Magenta für die FDP Eine Farbe ruft "Hallo!!!"

Der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner beim traditionellen Dreikönigstreffen der Partei.

(Foto: dpa)

Gelb? Hatte sie doch schon. Rot? Igitt. Türkis? Hach, wann geht's endlich wieder an die Côte d'Azur? Die erschöpfte FDP hat den Finger über den Farbkreis streichen lassen und ist bei Magenta gelandet. Eine kleine Spurensuche.

Von Nadia Pantel

Manchen Menschen genügen die Vokabeln Grün, Rot, Blau und Gelb zur Beschreibung ihrer Umwelt. Solche Menschen wissen, dass Schwarz und Weiß keine Farben sind, doch sie übersehen oft das farbliche Gesamtspektrum. Sogar das aufgeregt winkende Magenta erkennen nur wenige.

Es ist eine Farbe, die sich über Abgrenzung erklärt. Sie unterscheidet von Rosa, dass ihr kein Weiß beigemischt ist. Und mit Violett hat sie zwar gemeinsam, dass sie Rot und Blau vereint, sie lehnt sich jedoch deutlich stärker in Richtung Rot. Pink können Farbanfänger nur dann für Magenta halten, wenn sie übersehen, dass Pink ein stark gesättigtes Rosa ist.

Farbhistorisch ist Magenta bislang vor allem mit dem Börsengang der Telekom 1996 verbunden. Nun, wo die Magenta-Telefonzellen langsam aus dem Stadtbild gebürstet wurden, ist die Farbe wieder frei. Und die Politik greift zu. Als Erstes die SPD im Europawahlkampf 2014. Das Ergebnis: 27,3 Prozent der Stimmen, ein Plus von 6,5 Prozentpunkten. Jetzt wählt auch die erschöpfte FDP die rotlastige Mischfarbe.

Was politisch soviel bedeutet wie: "Hallo!!!" Zu diesem stolzen Aufstampfen passt es, dass der Magenta-Erfinder François-Emmanuel Verguin die Farbe 1859 zunächst Fuchsia nannte und in Magenta umtaufte, als die französische Armee nahe der italienischen Stadt gleichen Namens die österreichischen Truppen besiegte. Während optisch die sparsame Dosierung von Blau und das Weglassen von Weiß ausreichen, um Magenta von Rosa und Violett beziehungsweise Lila abzugrenzen, braucht es politisch schon ein wenig mehr Entschlossenheit.

Prantls Politik Die FDP ist selbst ihr größter Feind Video
Analyse im Video
Dreikönigstreffen der Liberalen

Die FDP ist selbst ihr größter Feind

Klappt eine Wiederauferstehung der FDP? Eine Sehnsucht nach einer liberalen Partei ist vorhanden, doch die FDP kann diese Hoffnungen derzeit nicht erfüllen. Dabei wäre im Angesicht von Pegida eine klassische rechtsstaatliche Kraft gefragt.

Vielleicht ist daher Magenta gerade für die zuletzt verwaschen wirkende FDP farblich genau der richtige Schritt. Sie fordert sich mit der gefährlichen Farbwahl selber heraus: zur neuen Erkennbarkeit. Denn wer magenta ist, darf nicht mauscheln. Sonst verwechseln die Menschen ihn und denken er sei lila. Und in der lila Ecke ist es schon recht voll.

In vorderster Front stehen dort die Frauenrechtlerinnnen. "Lila ist die Farbe der Emanzipation", sagen die Feministinnen. "Lila ist die Farbe der frustrierten Frau", ätzen die Maskulinisten. Eine Debatte, bei der die FDP lieber nicht mitmacht. Denn wenn Leistung das erste Kriterium ist, nach dem Menschen sortiert werden, verlieren Fragen der Geschlechtergerechtigkeit an Gewicht. Um sich nun rechtzeitig vor den Stimmen lila-interessierter Wählerinnen wegducken zu können, werden die Liberalen den Themenbereich Seximus und Gleichberechtigung noch konsequenter ignorieren müssen.

FDP Der FDP fehlt das Feuer, nicht die Farbe
Kommentar
Dreikönigs-Parteitag

Der FDP fehlt das Feuer, nicht die Farbe

FDP-Chef Christian Lindner will auf dem Dreikönigs-Treffen eine neue Parteifarbe präsentieren. Das ist Schnickschnack. Man hätte von der FDP lieber farbige Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit.   Kommentar von Heribert Prantl

Auch soziale Fragen, ganz wichtig: Ignorieren. Denn sonst droht Verwechslung mit der Linken, die ist schließlich auf den Wahl-Tortendiagrammen immer lila. Magenta dient also der Profilschärfung in Zeiten politischer Verbreiung. Wahrscheinlich hat sich die FDP-Spitze aber von einer ganz anderen Erkenntnis leiten lassen, als sie verträumt mit dem Finger den Farbkreis entlangstrich.

Oben anfangen: Gelb .... (Jaja, hatten wir schon, wie Genschers Pullunder) ... Gelb-Orange.... Orange (Hatten die Piraten schon) ... Rot-Orange .... Rot (Igitt!) .... Rot-Violett (Frustrierte Frauen) .... Violett (Jaja) ... Blau-Violett (Sieht doch aus wie Violett) ... Blau (Haben wir ja auch schon. Sieht jetzt zwar aus wie Ikea, passt aber trotzdem gut zu Gelb) ... Blau-Grün-Türkis (Hach, wann geht's endlich wieder an die Côte d'Azur? Naja.... Erstmal dieses Dreikönigstreffen hinter uns bringen....) .... Grün.... Grün-Gelb .... Und schon wieder Gelb....

Moment! War da nicht grade Grün?! Igitt! Grün! Und zack, schnellte der Finger auf die Gegenseite des Farbkreises. Alles, nur nicht Grün! Und was lag auf der Gegenseite? Richtig, Magenta. Denn die abschließende Wahrheit der Farbenlehre ist: Die Komplementärfarbe zu Magenta ist Grün.

Ihr Forum Magenta schön und gut: Was müsste die FDP wirklich ändern?
Ihr Forum
Ihr Forum

Magenta schön und gut: Was müsste die FDP wirklich ändern?

Die FDP entscheidet sich für Magenta als zusätzliche Parteifarbe, denn Liberalität soll nicht mehr nur auf die Wirtschaft reduziert werden. Die neue Farbgebung soll der Partei folglich ein neues Image verpassen: Aber reicht das aus, um in der Wählergunst zu steigen? Was sollte sich die Partei wirklich auf die Agenda schreiben?   Diskutieren Sie mit uns.