MAD wirbt mit Comic:"Auch unsere Mitarbeiter dürfen Fehler machen"

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1956 als "Amt für Sicherheit der Bundeswehr" gegründet und 1984 umbenannt, gilt der Militärische Abschirmdienst als Kind des Kalten Krieges. Seine Mitarbeiterzahl hat sich von einst mehr als 2500 auf etwa 1180 verringert. 2011 erhielt er knapp 72 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt (hier im Verfassungsschutzbericht 2011 nachzulesen). Zu viel, findet vor allem die FDP und hat den Bundesrechnungshof an seiner Seite. Im Februar 2012 wurde ein Papier öffentlich, in dem die Wirtschaftsprüfer empfehlen, die Aufgaben des MAD dem Verfassungsschutz zu übertragen.

Der MAD schwieg zu dieser Diskussion bislang eisern. Doch nun wurde der Druck womöglich zu groß: "Wir wollen uns ja nicht verstecken", sagt Karl-Heinz Brüsselbach dem Bundeswehr-Magazin in einem langen Interview, das an sich schon eine kleine Sensation ist. Wie die Streitkräftebasis der Bundeswehr in Bonn auf SZ-Anfrage mitteilt, komme es nur "selten bis sehr selten" vor, dass der Amtschef einem Medium Rede und Antwort steht. Im SZ-Archiv, das alle relevanten deutschen Printmedien umfasst, ist kein Interview zu finden - weder von Brüsselbach noch von Vorgängern.

Im Gespräch mit der Zeitschrift, die eine Auflage von 50.000 Exemplaren hat, kommt Brüsselbach dagegen ins Plaudern: "Sorgen um das Wirken von Geheimdiensten sind für mich verständlich, denn unsere Parlamentarische Demokratie lebt ja von größtmöglicher Transparenz", sagt Brüsselbach. "Auch unsere Mitarbeiter sind Menschen und können Fehler machen. Sie sind aber gut ausgebildet, motiviert und professionell, daher machen sie wenige."

"Unsere Gegner sind gut aufgestellt"

Auf die Zukunft des MAD angesprochen, sagt Brüsselbach: "Die Spionageabwehr bleibt ein Kerngeschäft des Verfassungsschutzverbundes und damit des MAD. Seit Ende des Kalten Krieges ist dieser Bereich anders, aber beileibe nicht einfacher geworden, auch dank des Internets. Damit kann man einfacher kommunizieren als früher. (...) Unsere Gegner sind gut aufgestellt und nutzen die Möglichkeiten der IT. Wir müssen da aufpassen, nicht den Kürzeren zu ziehen."

Ob diese Aufgabe nicht auch ein anderer Dienst übernehmen könnte, das wird Brüsselbach von dem Interviewer leider nicht gefragt. Stattdessen: "Was würde die Bundeswehr ohne den MAD machen?" Brüsselbach: "Sie würde darüber nachdenken, warum es den MAD nicht gibt. Ihr würde was fehlen."

Brüsselbach darf es einigermaßen egal sein: Er erreichte nach dem Erscheinen des Interviews die Altersgrenze und wurde zum 1. Juli von Ulrich Birkenheier als Amtschef abgelöst.

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