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Macrons Kabinett:Paris kreist um sich selbst

Frankreich ist nicht reformierbar? Mit dieser These hat Präsident Macron aufgeräumt. Aber er hat andere Probleme.

Emmanuel Macron begann seine Amtszeit als französischer Präsident mit zwei Versprechen: Er werde das gesamte Land reformieren. Und sich nicht an die Wand streiken lassen. Er hält sich an beides und gibt dennoch ein schwaches Bild ab.

Diejenigen, die seinen Gesellschaftsumbau begrüßen, haben Macrons Gegner in Gewerkschaften und Opposition vermutet. Doch weder in den Umfragen noch auf der Straße hat die unternehmerfreundliche Politik bisher für Empörung gesorgt. Der Glaubenssatz, dass Frankreich nicht reformierbar sei, hat an Gültigkeit verloren. Dafür kreist die Politik um sich selbst, der große Umbruch bleibt aus.

Macron will "effizient" regieren, wie er ständig wiederholt. Doch nun hat seine Regierung schon den siebten Minister verschlissen. Innenminister Gérard Collomb inszenierte seinen Abgang in dieser Woche wie eine schlechte Seifenoper. Unnötige Spannung, nächtliche Absprachen. Er verlässt ohne erkennbare Not ein Ministerium, das vor riesigen Aufgaben steht. Frankreich scheitert daran, ein gerechtes oder auch nur funktionierendes Asylsystem aufzubauen. Die Polizei steckt in der größten Krise seit 20 Jahren. Und statt sich der Verantwortung zu stellen, geht Collomb. Die Präsidentschaft Macron ist zurzeit vieles, nur sicherlich nicht effizient.