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Macron auf Staatsbesuch in den USA:Küsse für Donald Trump

Am ersten Tag seines Staatsbesuchs schmeichelt Emmanuel Macron dem US-Präsidenten. Das ist auch nötig: Der Franzose hat ein paar heikle Themen im Gepäck.

US-Präsident Donald Trump schaut, als wisse er nicht, wie ihm geschieht. Die linke Wange von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron berührt gerade seine linke Wange. Und zwar keine Sekunde nachdem Macrons rechte Wange schon seine rechte Wange berührt hat. Macrons linke Hand liegt währenddessen auf Trumps Schulter und zieht den deutlich größeren wie gewichtigeren US-Präsidenten an sich.

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Macron besucht Trump

Außenpolitik nach Sympathiewerten

Der französische Präsident Macron und Kanzlerin Merkel kommen diese Woche beide nach Washington, doch die Begrüßung durch US-Präsident Trump könnte unterschiedlicher kaum ausfallen.   Von Hubert Wetzel

Trump hat keine Chance, dem Wangenkuss seines Amtskollegen zu entkommen, als er und seine Frau Melania das französische Präsidentenpaar vor dem Weißen Haus begrüßen.

Solche Gesten sind wichtig in der Welt von Trump. Er hat Staatsgäste auch schon rabiat an sich gezogen und deren Hände schraubstockartig umklammert, womöglich, um ihnen Respekt einzuflößen.

Macron aber war von Beginn ein Meister darin, Trumps Handshake-Herausforderung zu begegnen. Mal, indem er einem asiatischen Kampfkünstler gleich Trumps Energie verpuffen lässt. Mal, indem er Trumps Hand packt und knebelt und sie dann kaum noch loslassen zu wollen scheint.

Und jetzt: der Kuss.

Die Macrons sind drei Tage lang auf großem Staatsbesuch in den USA. Am Montag haben die beiden Präsidentenpaare auf dem Landsitz Mount Vernon des ersten US-Präsidenten George Washington zu Abend gegessen. Und zuvor am Weißen Haus eine Eiche gepflanzt. Die hatte Macron als Gastgeschenk mitgebracht, um die große Bedeutung zu unterstreichen, die die französisch-amerikanische Freundschaft für ihn habe.

Der Baum stammt aus dem Wald von Belleau in Nordfrankreich, wo im Juni 1918 eine Schlacht zwischen hauptsächlich US-Einheiten - unter anderen einer Brigade des Marine Corps - und deutschen Verbänden stattfand. Nahezu 2000 amerikanischen Soldaten fielen in dieser Schlacht, die eine der verlustreichsten der US-Streitkräfte im Ersten Weltkrieg war und als Geburtstunde der modernen US-Marineinfanterie gilt.

Macron, der Trump-Flüsterer

Das war das Aufwärmprogramm. An diesem Dienstag kommen er und Trump zum Vier-Augen-Gespräch zusammen mit anschließender Pressekonferenz. Danach gibt es ein Mittagessen mit Vizepräsident Mike Pence im Außenministerium. Im Anschluss geht es zum Nationalfriedhof Arlington an das Grabmal des unbekannten Soldaten. Schließlich wartet im Weißen Haus ein Staatsbankett. Darum gibt es in den USA einige Aufregung: Anders als üblich hat sich Trump geweigert, Repräsentanten der Demokraten zu dem Bankett einzuladen.

Mittwoch hält Macron dann zunächst eine Rede vor dem Kongress. Zuletzt wird er sich den Fragen von Studenten an der George Washington University stellen.

Macron hat für das Vier-Augen-Gespräch am Dienstag einige Aufgaben im Gepäck, die ihm seine europäischen Amtskollegen hineingelegt haben.

  • Er soll Trump dazu bringen, den Atom-Deal mit Iran noch eine Chance zu geben. Der US-Präsident will den Deal aufkündigen. Es dürfte das schwerste Gespräch werden, hinter den Kulissen verhandeln EU-Staaten bereits mit den USA.
  • Er soll Trump überzeugen, dass das Klimaschutzabkommen von Paris für alle Seiten gut ist. Was der US-Präsident nicht glaubt, weil er schon die globale Erwärmung für Quatsch hält.
  • Macron soll Trump dazu bringen, die US-Truppen noch deutlich länger auf syrischem Boden zu lassen. Weil ein voreiliger Abzug nur bedeuten würde, dass er Syrien Russland und Iran überlässt.
  • Er soll Trump überzeugen, keine Strafzölle auf Produkte der Europäischen Union zu erheben. Weil das der EU und den USA schaden würde.

Die Hoffnung ist, dass Trump auf Macron hört. Der Franzose gehört zu den wenigen westlichen Staatslenkern, die mit dem US-Präsidenten gut können. Womöglich ist er sogar der einzige. Er gilt als Trump-Flüsterer. Weil er weiß, was dieser braucht: Aufmerksamkeit und Lob. Ob die Chemie stimmt, ist für Trump wichtiger als gemeinsame Interessen.

Die beiden Staatschefs sollen mehrmals in der Woche miteinander telefonieren. "Ist das das Telefon?", fragt Macrons Frau Brigitte den US-Präsidenten, als sie am Montag kurz im Oval Office zusammenkommen. Trump nickt. "Damit spreche ich mit Ihrem Ehemann", sagt er. Dann gehen alle um Trumps Schreibtisch herum und bewundern das Telefon, mit dem Trump Macron anruft. "Abhörsicher", sagt Trump. Und dass es das "neueste und tollste" Gerät am Markt sein soll. Macron nickt, als hätte Trump selbst das Telefon erfunden.

Macron betont die Gemeinsamkeiten, nicht die Gegensätze

Macron hatte seinen Durchbruch mit Trump vergangenen Sommer. Da hatte er ihn als Ehrengast nach Frankreich eingeladen. Während es in Großbritannien schon Debatten gab, ob ein Rüpel wie der US-Präsident jemals als Staatsgast britischen Boden betreten dürfe, hat Trump zusammen mit Macron in Paris die Militärparade zum französischen Nationalfeiertag abgenommen. Er war so geschmeichelt und beeindruckt, dass er sich für Mitte November eine eigene Militärparade bestellt hat.

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Kurz vor seinem Treffen mit Trump gibt der französische Staatschef dem Lieblingssender des US-Präsidenten ein Interview. Über Putin sagt er: "Wenn man schwach ist, nutzt er das aus."

Vor seinem Besuch hat Macron sogar Trumps Lieblingssender Fox News ein langes Interview gegeben und ihre Gemeinsamkeiten herausgestellt, nicht etwa Gegensätze. Wie Trump sei er in der Wirtschaft erfolgreich gewesen. Wie Trump habe er als Außenseiter auf Anhieb eine Präsidentschaftswahl gewonnen.

Im Gegenzug wird Macron jetzt die Ehre zuteil, der erste Staatsschef zu sein, den Trump nach weit über einem Jahr im Amt zum Staatsbesuch eingeladen hat. Seit Calvin Coolidge, dem 30. US-Präsidenten, hat keiner seiner Vorgänger mehr so lange bis zum ersten Staatsbesuch gewartet.

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Ein neuer Vertrag soll US-Präsident Trump von der Kündigung des Nuklear-Deals mit Iran abhalten. Frankreichs Staatschef Macron will in Washington dafür werben.   Von Stefan Kornelius und Paul-Anton Krüger, Kairo

Die zeitliche Nähe zum eintägigen Arbeitsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington an diesem Freitag kann Zufall sein. Oder ein deutliches Zeichen von Trump an Merkel, ihm mit mehr Respekt entgegenzutreten. Vor einem Jahr etwa, als er auf einer Pressekonferenz mit Merkel im Weißen Haus sagte, er sei womöglich genauso von Präsident Barack Obama abgehört worden wie Merkel, hielt Trump das offenbar für lustig. Später hat er sich gegenüber Mitarbeitern geärgert, dass Merkel nicht mal reagiert habe. "Sie hätte wenigstens lächeln können! Das war der Spruch des Tages!", soll er gesagt haben.