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Frankreich und die Nato:Die Trumpisierung des Emmanuel Macron

French President Emmanuel Macron takes part in a news conference with NATO Secretary General Jens Stoltenberg after their meeting at the Elysee palace in Paris

Emmanuel Macron am Rande des Besuch des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg im Elysee-Palast.

(Foto: REUTERS)

Mit seinem unberechenbaren Verhalten macht der französische Präsident Europa nicht stärker, sondern schwächer.

Kommentar von Stefan Kornelius

Frankreichs Präsident hat die Nato und auch die Europäische Union innerhalb weniger Wochen in eine handfeste Krise verstrickt. Da ist nichts kleinzureden: Was Emmanuel Macron über das westliche Verteidigungsbündnis vom Stapel lässt, wie er sich eine europäische Sicherheitsarchitektur vorstellt und welche Offerten er Wladimir Putin unterbreitet, würde sich zu einem gravierenden Strategiewechsel addieren, der Nato und EU in Bedrängnis bringt.

Niemand spricht dem Präsidenten das Recht ab, in der Analyse der Welt zu einem anderen Ergebnis zu kommen, als das die überwiegende Mehrheit der EU-Mitglieder und der Nato-Staaten tun. Zwei Dinge aber verbieten sich: Erstens widerspricht Macron sich selbst (Mittelstreckenraketen) und wirkt dadurch nur noch unberechenbar. Und zweitens verstößt er mit Form und Stil gegen jeden Comment, den sich Partner in Bündnissen auferlegt haben. So schwächt er seine Allianzen.

Der Präsident wirkt wie eine Westentaschenausgabe seines amerikanischen Kollegen - sprunghaft und effektgetrieben. Das ist die eigentlich beängstigende Nachricht. Bisher hat sich die europäische Seite des Atlantiks durch eine höhere Differenzierungsfähigkeit unterschieden. Nun saust auch hier die Keule. Europa wird so nicht stärker, wie Macron will, sondern schwächer.

© SZ vom 29.11.2019/mxm
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