bedeckt München 15°

Machtkampf in der CDU:Es geht um den Kurs

Die Pflicht zum Sparen vermischt sich mit dem Frust derer, die sich von der Gesellschaftspolitik der Kanzlerin überrollt fühlen. Das stellt Merkels Politik in Frage.

Keine Frage: In der CDU hat der wohl größte Kampf der letzten Jahre begonnen. Nein, nicht der um die Macht. Die ist bis auf weiteres in den Händen von Angela Merkel. Da mögen ein paar Konservative nach der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen noch so laut ihren Revolte-Phantasien Raum geben, die CDU- Vorsitzende wird CDU-Vorsitzende bleiben.

Angela Merkel, Roland Koch; ddp

Angela Merkel und Roland Koch pflegen eine bisweilen unterkühlte Beziehung.

(Foto: Foto: ddp)

Der wahre Kampf dreht sich um die Frage, ob die Merkel-CDU in Zeiten klammer Kassen die Kraft hat, an ihrem gesellschaftspolitischen Kurs festzuhalten. Es geht, bei Bildung und Familie, ans Eingemachte. Das dürfte die Menschen viel mehr interessieren als die Frage, wer welches Amt bekleidet.

Dabei haben mit Roland Koch und den Haushältern diejenigen die Debatte begonnen, die vor allem als Retter des Haushalts in die Schlacht ziehen möchten. Hinzu kommen nun freilich manche, denen das Engagement der CDU gerade bei Investitionen in Krippen und vorschulische Bildung zu modern, ja, zu "links" ist.

Es vermischt sich also die Pflicht zum Sparen mit dem Frust mancher Christdemokraten, die sich von Merkels Gesellschaftspolitik überrollt fühlen. Das stellt nicht Merkels Macht, wohl aber Merkels Politik in Frage.

Umso mehr müssen die Kanzlerin und ihre Mitstreiter dagegenhalten, soll die begonnene Modernisierung nicht wie Show erscheinen. In den letzten Jahren haben sie vor allem über schön formulierte Ziele versucht, das Gesicht der CDU zu verändern. Aber erst jetzt wird sich zeigen, wie ernst sie es meinen. Glaubwürdigkeit gewinnen sie nur, wenn sie eine echte Werte-Entscheidung treffen und zum Schutze von Bildung und Familie an anderer Stelle einsparen. Die schönen Zeiten - sie sind Geschichte.