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Generaldebatte:"Die Erde brennt lichterloh"

Es sei "an der Zeit, nachhaltig zu handeln", nicht nur in Klimafragen, sagt Außenminister Maas in seiner Rede vor den Vereinten Nationen - und will eine neue Staatenallianz gründen.

Eben noch hat Seine Hoheit, Premier und Scheich Jaber Al-Mubarak Al-Hammad Al-Sabah, über die Attraktivität Kuwaits für "Qualitätsinvestments" gesprochen, der armenische Premierminister Nikol Paschinjan über seine "Null-Toleranz-Politik gegenüber Korruption" doziert, der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš sein Land als das siebtsicherste Land der Welt gepriesen, nun ist Xavier Espot Zamora dran. Das ist der Regierungschef von Andorra, der die Gelegenheit ergreift, vor der Weltöffentlichkeit die Modernisierung seines traditionsreichen Fürstentums zu preisen. Jeder lobt sein Land, so gut er kann.

Auch das gehört eben zum Multilateralismus, über den der letzte Redner des heutigen Tages gleich sprechen wird. Es ist schon spät in New York und viele Plätze an den grünen Tischen in der Halle der Generalversammlung sind bereits leer, als Heiko Maas das Wort erteilt wird. Protokollarisch ist das trotzdem ein kleiner Erfolg, denn erst einmal reden bei den Vereinten Nationen die Staatsoberhäupter, dann die Regierungschefs und erst danach die Außenminister. Eigentlich wäre Maas also frühestens am Freitag mit seinem Beitrag in der Generaldebatte dran gewesen.

Maas wird über Iran sprechen, über Afghanistan, die Ukraine, Libyen und viele andere Konfliktherde. Er wird Iran erneut auffordern, den Dialog mit den USA zu suchen, um in der Golfkrise Entspannung zu ermöglichen. Seinen Vortrag aber beginnt der Außenminister erst einmal mit einer Anklage. Man habe viel über Nachhaltigkeit gehört in den Reden der vergangenen Tage, sagt er. Aber das reiche halt nicht. "Denn während wir hier in New York über Nachhaltigkeit reden, drohen wir das Rennen gegen den Klimawandel zu verlieren. Die Erde brennt lichterloh", klagt Maas. Für die Konflikte in der Welt von Syrien über Iran bis Nordkorea gelte das ebenso.

Es sei an der "Zeit, von Nachhaltigkeit nicht nur zu reden". Es sei "an der Zeit, nachhaltig zu handeln - auch in der Außen- und Sicherheitspolitik".

Das führt Maas zu seinem großen Thema, dem Multilateralismus. "Wer sein Land liebt, meine Damen und Herren, setzt auf Zusammenarbeit. Denn nur so haben wir alle eine Zukunft. Nachhaltige Außenpolitik, das ist multilaterale Außenpolitik", erklärt Maas. Vom selben Pult aus hatte US-Präsident Donald Trump zwei Tage zuvor verkündet, die Zukunft gehöre den Patrioten. "Zusammenarbeiten. Kompromisse finden. Unsere gemeinsamen Regeln und Institutionen verteidigen. Das ist es, was wir außenpolitisch unter Nachhaltigkeit verstehen", hält Maas dem entgegen. "Zusammenarbeit ist kein Verrat am eigenen Land. Sie schafft vielmehr die Voraussetzung dafür, dass es unseren Ländern gut geht", mahnt er.

Maas startet multilaterale Allianz

So ähnlich hat Maas das schon öfter gesagt. Nun aber will er über seine "Allianz für den Multilateralismus" nicht länger nur reden, er will sie präsentieren. Zusammen mit seinen Kollegen aus Frankreich, Chile, Mexiko, Ghana, Singapur und Kanada veranstaltet er im UN-Hauptquartier Donnerstagmittag eine Art Gründungsveranstaltung der Allianz. Mehr als 50 Minister kämen zusammen, "um konkrete Schritte zu vereinbaren", kündigt er an. So wolle man sich zur Stärkung des Völkerrechts und der Menschenrechte bekennen, zu Abrüstung und Krisenprävention. Auch bei globalen Zukunftsfragen wie Cybersicherheit und Klimawandel wolle man zusammenarbeiten.

Mittlerweile ist es nach zehn Uhr abends, im Saal ist es noch leerer geworden. "Das ist gelebter Multilateralismus. Das ist nachhaltige Außenpolitik", wirbt Maas noch. Dann ist erst einmal Feierabend.

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