Wladimir Putin hat sich verspätet. 9.30 Uhr wollte er mit Alexander Lukaschenko telefonieren, so hatten sie es ausgemacht. Als Putin anrief, war es 10.10 Uhr. Auch ein Diktator muss mal warten. Es war Samstagmorgen, der Tag der Meuterei. Am Dienstag plauderte der belarussische Machthaber ungewöhnlich offen aus, was er mit Putin besprochen hat. Er habe gespürt, dass der Kremlchef gerade in der Stimmung gewesen sei, Jewgenij Prigoschin kaltzumachen, sagte er, es sei ein "Subtext in Putins Auftreten" gewesen. Lukaschenko habe den russischen Präsidenten gebeten, nichts zu überstürzen, er wolle mit Prigoschin erst mal selbst reden. "Hör zu, Sascha, das ist sinnlos", soll Putin gesagt haben, Sascha ist die Kurzform von Alexander. "Der nimmt nicht mal den Hörer ab, will mit niemandem sprechen."
Belarus:Der Friedensengel von nebenan
Lesezeit: 3 Min.

Was der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko im Schilde führen könnte, wenn er den Söldner-Führer Prigoschin und dessen Truppe in seinem Land aufnimmt.
Von Frank Nienhuysen

Krieg in der Ukraine:Die Brücke am Fluss
An einer Windung des Dnjepr zwischen Belarus und der Ukraine halten Soldaten Wache - und die Bewohner im nächsten Dorf fühlen sich beinahe sicher. Aber jeder weiß: Die Russen können jederzeit zurückkommen.
Lesen Sie mehr zum Thema