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Luftverkehr:Flughafen Tegel bleibt vorerst offen

Berlin wollte seinen Airport wegen Corona schließen - und tut es nun doch nicht. Die Angst war zu groß, dass er wegen der Eröffnung des BER nicht wieder aufmachen würde. Dabei soll es doch noch ein Abschiedsfest geben.

Die Hauptstadt und ihre Flughäfen - es ist eine offenbar endlose Geschichte. Nachdem es jahrelang nicht gelang, einen Flughafen zu eröffnen, gelingt es nun nicht, einen Flughafen zu schließen. Berlins Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup gab am Mittwoch jedenfalls bekannt, dass der Standort Tegel vorerst geöffnet bleibt. "Der Flugverkehr scheint schneller wieder anzusteigen, als wir es erwartet haben", erklärte Lütke Daldrup per Video-Pressekonferenz.

Der Flughafen sollte zum 15. Juni vorübergehend wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden. Die Furcht der Menschen, sich anzustecken, und die massiven Reisebeschränkungen hatten dazu geführt, dass der Flugverkehr in den vergangenen Monaten nahezu komplett eingebrochen ist. In Tegel starteten und landeten nur noch einige wenige Flüge, an beiden Berliner Flughäfen wurden zuletzt gerade einmal 3000 Fluggäste am Tag gezählt - ein Millionen-Verlust für die Flughafengesellschaft. Lütke Daldrup hatte deshalb bereits Ende März versucht, die Prokura für eine Schließung von Tegel zu bekommen. Doch die Gesellschafter, darunter vor allem der Bund und Brandenburg, waren dagegen. Im April hatte der Flughafenchef mehr Erfolg, da die Zahlen weiterhin schlecht waren.

Der Beschluss sah vor, dass Tegel vorerst bis zum 31. Juli geschlossen werden sollte. Die Opposition in Berlin, die CDU und besonders die FDP, gaben sich besorgt, dass Tegel so durch die Hintertüre stillgelegt werde. Geplant ist bisher, dass Tegel mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER Ende Oktober endgültig geschlossen werden soll. Durch seine zentrale Lage und seine Rolle während der alliierten Luftbrücke hat der Standort für viele Berliner eine besondere Bedeutung.

Nachdem nun die Corona-Beschränkungen in kurzer Zeit stark gelockert worden sind - Mitte Juni werden die Reisewarnungen der Bundesregierung für die meisten Länder Europas aufgehoben -, haben sich die Prognosen grundlegend verändert. Große Fluggesellschaften wie Lufthansa, Ryanair oder Easyjet werden in den Sommermonaten wieder wesentlich mehr Flüge anbieten. Die derzeit 17 Flugverbindungen würden Mitte Juni auf 40 ansteigen, erklärte Lütke Daldrup, Ende Juli werden es voraussichtlich mehr als 100 sein. Die Kapazitäten des Flughafens Schönefeld wären damit ausgeschöpft. "Wir müssen deswegen wieder auf beide Flughäfen Tegel und Schönefeld schauen", sagte Lütke Daldrup. "Wir werden uns gebührend von Tegel verabschieden."

© SZ vom 04.06.2020

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