Luftschläge in Syrien:USA und Russland sprechen Militäreinsätze ab

Russisches Kampfflugzeug

Russlands Militär verstärkt seine Präsenz im syrischen Luftraum. Im Bild ein Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-34.

(Foto: dpa)
  • Die USA und Russland haben Gespräche auf militärischer Ebene geführt, um Pannen beim Einsatz in Syrien zu vermeiden.
  • Pentagon-Sprecher Cook bezeichnete die Gespräche als "freundlichen und professionellen Austausch".
  • Der Sprecher von US-Präsident Obama warnte vor "willkürlichen" Angriffen, die den Krieg verlängern.

"Freundlicher Austausch"

Die USA und Russland haben sich zur Vermeidung von Missverständnissen ihrer Streitkräfte in Syrien auf militärischer Ebene abgesprochen. Es habe einen "freundlichen und professionellen Austausch" gegeben, sagte Pentagon-Sprecher Peter Cook.

Nach Angaben des Weißen Hauses drehte sich das einstündige Gespräch darum, dass in dem Bürgerkrieg internationale Regeln eingehalten und die üblichen Kommunikationskanäle genutzt würden. Der Austausch von Geheimdienst-Informationen sei aber nicht geplant, sagte Cook. Ziel sei, "eine Art von Unfall am Himmel" zu vermeiden. "Das bedeutet nicht, dass wir dulden, was Russland getan hat."

Präsident Barack Obamas Sprecher Josh Earnest warnte zugleich vor "willkürlichen" Angriffen, die den Krieg verlängern und Moskau tiefer in den Konflikt hineinziehen könnten.

Türkei fordert Ende russischer Luftangriffe

Auch die Türkei und ihre Verbündeten forderten Russland auf, den Militäreinsatz in Syrien auf den Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu beschränken. Luftangriffe auf die syrische Opposition sowie Zivilisten müssten dagegen umgehend eingestellt werden, betonte das türkische Außenministerium.

Das Nato-Land zeigte sich in einer gemeinsamen Erklärung mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und verbündeten Golf-Staaten tief besorgt über die russischen Luftangriffe. Sie bedeuteten eine "weitere Eskalation" des Konflikts.

Vorwurf des Westens: Auch zivile Opfer bei Bombenangriffen

Russland hatte am Mittwoch mit Luftangriffen in Syrien begonnen und eingeräumt. Der Westen wirft der Regierung in Moskau vor, dass auch moderate Kräfte und Zivilisten Opfer von russischen Bombenangriffen geworden seien.

Erst am Donnerstag seien nach Angaben von Aktivisten mindestens sieben Zivilisten bei russischen Luftschlägen ums Leben gekommen. Unter den Toten in der nordsyrischen Provinz Idlib seien auch ein Kind und zwei Frauen gewesen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zahlreiche Menschen seien verletzt worden.

Russland weist Angriffe auf Zivilisten zurück und geht nach eigener Darstellung mit Kampfflugzeugen gegen Terroristen vor. Das russische Militär greife aber nicht nur die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an, sondern auch andere Gruppen, räumte Kremlsprecher Dmitrij Peskow am Donnerstag in Moskau ein. Es gebe eine Liste mit Organisationen, die bekämpft werden sollen, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Konkrete Namen nannte er nicht.

Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete westliche Berichte über den Tod von Zivilisten bei den russischen Attacken als feindliche Propaganda. "Die ersten Informationen darüber waren schon aufgekommen, bevor unsere Kampfflieger in den Himmel gestiegen waren", sagte der Präsident. Russland rechnet in Syrien mit einer Dauer der Luftangriffe von drei bis vier Monaten. Das sagt der Vorsitzende des Duma-Außenausschusses.

Steinmeier warnt Russland vor Alleingängen

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte Russland vor weiteren Alleingängen. Das Morden könne nur durch gemeinsames Vorgehen beendet werden, sagte Steinmeier vor der UN-Vollversammlung in New York. "Statt einsamer Entscheidungen Einzelner, zuletzt Russlands, nun auch direkt militärisch in Syrien einzugreifen, brauchen wir den politischen Einsatz für eine Transformation."

Russlands Außenminister Sergej Lawrow schloss in New York eine Teilnahme an der US-Koalition aus, da diese kein UN-Mandat habe. Russland dagegen beruft sich bei seinem Einsatz in Syrien auf eine Bitte des Landes um Hilfe. Die USA führen seit gut einem Jahr eine Allianz an, die Luftangriffe in Syrien fliegt. Auch Frankreich und Saudi-Arabien beteiligen sich.

© SZ.de/dpa/fie/pamu
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