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Lufthansa:Debatte hinter der Debatte

Wenn sich Deutschland eine Airline leisten will, darf das nicht heißen, dass die Steuerzahler alleine für die aufgelaufenen Verluste bei der Lufthansa aufkommen. Die Rettung des Konzerns sollte eine Gemeinschaftsaufgabe sein.

Die Debatte um die staatliche Beteiligung an der weitgehend zum Stillstand verdammten Lufthansa legt nahe, dass das staatliche Mitspracherecht der Knackpunkt sein soll. Die Airline will ja nur Geld; der Bund aber als Gegenleistung mitreden. Wenn er schon Milliarden geben soll, will er dafür sorgen, dass staatliche Klimaauflagen eingehalten, Arbeitsplätze gesichert werden. Es ist völlig richtig, über die Mitsprache zu streiten. Die entscheidende Debatte aber ist eine andere - und die muss endlich geführt werden.

Wenn sich Deutschland eine Airline leisten will - und dafür gibt es gute Gründe -, darf das nicht heißen, dass die Steuerzahler alleine für die aufgelaufenen Verluste bei der Lufthansa aufkommen. Käme ein kluger Investor auf die Idee, Geld zu überweisen, damit alte Rechnungen beglichen werden können? Käme er nicht. Deshalb muss der Staat jetzt so verhandeln, dass auch Altaktionäre und Gläubiger ins Risiko gehen.

Das ist nicht trivial, weil es natürlich niemandem nutzt, wenn statt der Lufthansa deren Zulieferer und Leasingfirmen pleitegehen. Aber es gibt einen Mittelweg. Die Lufthansa könnte im großen Stil neue Aktien ausgeben und auch dazu verwenden, Gläubiger teilweise auszuzahlen. Die Rettung des Konzerns geriete so zu der Gemeinschaftsaufgabe, die sie doch angeblich sein soll.

© SZ vom 08.05.2020

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