Luftfahrt Airbus will Drohne bauen

Eine Drohne von Rheinmetall vom Typ Heron 1 steht auf dem Ausstellungsgelände der ILA 2014 - auch Airbus will künftig Drohnen bauen.

(Foto: dpa)

Ein Firmenkonsortium hat den Verteidigungsministerien von Deutschland, Italien und Frankreich angeboten, ein unbemanntes Flugzeug zu entwickeln. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen reagiert irritiert auf den Vorstoß.

Von Jens Flottau, Frankfurt, und Christoph Hickmann, Berlin

Bernhard Gerwert hat ein hartes erstes halbes Jahr als Chef von Airbus Defence and Space hinter sich. Weil die Verteidigungsbudgets in Europa stagnieren oder schrumpfen, muss er in seinem Unternehmen mehr als 5000 Arbeitsplätze abbauen und sich sorgen, wie er die Standorte langfristig auslasten will.

Das perspektivisch größte Problem der Industrie ist, dass neue militärische Programme fehlen, auf die sich ihre Ingenieure stürzen könnten. Doch jetzt nehmen drei große Firmen ihr Schicksal in die eigene Hand - am Vortag der Luftfahrtmesse ILA in Berlin präsentieren sie ihre neueste Idee.

"Zulassungsfähige Drohne" bereits 2020

Airbus Defence and Space, das französische Unternehmen Dassault Aviation und die italienische Alenia Aermacchi wollen gemeinsam ein unbemanntes Flugzeug entwickeln. Das Konsortium hat den Verteidigungsministerien von Deutschland, Frankreich und Italien einen Vorschlag unterbreitet, wie die unter dem Projektnamen Male 2020 vorgestellte Drohne entwickelt werden kann. Male steht dabei für "medium altitude, long endurance", also für eine Drohne mit mittlerer Flughöhe. Eine "kostengünstige und zulassungsfähige Drohne" könne "bereits im Jahr 2020 zur Verfügung stehen", so die Unternehmen.

Aus Sicht der Industrie drängt die Zeit, denn die Zukunft des Eurofighter, derzeit das wichtigste Projekt, ist äußerst fraglich. Wegen der archaischen und nach Proporz aufgebauten Produktionsverfahren ist das Flugzeug für den Export derzeit viel zu teuer, und auf dem Heimatmarkt werden bis 2018 alle bestellten Maschinen ausgeliefert sein. Es gilt, die Lücke schnell zu füllen. Und ein früherer Airbus-Vorstoß, eine Drohne mittlerer Flughöhe und hoher Reichweite namens Talarion zu bauen, war erst im vergangenen Jahr gescheitert.

"Entscheidungsdruck" fehlt aus Sicht der Politik

Nach dem Willen der Industrie sollen sich Frankreich, Italien und Deutschland zunächst in einer Definitionsphase auf gemeinsame Anforderungen festlegen. Dadurch sollen später zusätzliche Kosten durch Nachbesserungen vermieden werden. Anschließen sollen sich die Länder entscheiden, ob sie den politisch umstrittenen Bau einer Drohne unterstützen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) allerdings gab sich am Montag reserviert. "Es gibt zurzeit keinen Entscheidungsdruck", sagte sie. Zu Details könne sie sich nicht äußern, "da ich den Inhalt dieser Initiative nicht kenne". Anders als in Medienberichten dargestellt, habe Gerwert ihr nicht am Donnerstag vergangener Woche ein Angebot vorgelegt - zu diesem Zeitpunkt sei sie in Kosovo gewesen. Richtig sei, dass am Freitag in ihrem Haus ein solcher Brief eingegangen sei, allerdings "an die Arbeitsebene", also nicht an sie oder einen Staatssekretär gerichtet.

Dabei beließ es von der Leyen nicht, sondern sie fügte noch eine Spitze gegen Gerwert an: Es sei "ungewöhnlich", dass "ohne Aufforderung ein einzelnes Unternehmen so etwas tut". Eigentlich sei es so, "dass die Politik bittet, wenn sie Entwicklungslösungen braucht". Alles weitere solle man den "Autor des Briefes" fragen.