Luftangriffe in Syrien Ban entsetzt über "eiskalte militärische Eskalation" in Aleppo

Eine Familie zwischen den Trümmern im syrischen Aleppo (Foto vom 23. September)

(Foto: AFP)
  • Der UN-Sicherheitsrat will an diesem Sonntag über die Lage in Syrien beraten.
  • UN-Generalsekretär Ban reagierte besonders scharf auf Berichte, wonach die syrische Luftwaffe in Aleppo sogenannte bunkerbrechende Bomben einsetzt.
  • Allein am Samstag sollen in der syrischen Großstadt 45 Menschen getötet worden sein. Zwei Millionen Menschen sind Unicef zufolge ohne Trinkwasser.

Die mit schwersten Zerstörungen einhergehende syrische Militäroffensive in Aleppo ist international auf das Schärfste kritisiert worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte am Samstag in New York, er sei "entsetzt über die eiskalte militärische Eskalation" in der nordsyrischen Stadt.

Ban erklärte, die Bewohner Aleppos seien den schlimmsten Angriffen seit dem Beginn des Syrien-Konflikts ausgesetzt. Besonders scharf reagierte er auf Berichte, wonach die syrische Luftwaffe bei ihrer Offensive gegen die von Rebellen kontrollierten Stadtteile sogenannte bunkerbrechende Bomben einsetzt. Sie lassen mehrstöckige Gebäude wie Kartenhäuser zusammenfallen und zerstören selbst Keller. Der systematische Einsatz derartiger Waffen in dichtbesiedelten Gebieten käme einem Kriegsverbrechen gleich, sagte Ban.

Nach Angaben von Aktivisten hatten syrische und russische Kampfjets am Samstag den fünften Tag in Folge die Rebellengebiete im Osten Aleppos bombardiert und dabei schwerste Zerstörungen angerichtet. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge, deren Berichte sich allerdings nur schwer überprüfen lassen, wurden allein am Samstag 45 Zivilisten getötet. Am Vortag waren es demnach 47 Tote.

Westliche Staaten fordern Druck auf Syrien

In einer gemeinsamen Erklärung der Außenminister der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens sowie der EU-Außenbeauftragten hieß es, es sei "an Russland zu beweisen, dass es willens und fähig ist, außergewöhnliche Schritte zu ergreifen, um die diplomatischen Bemühungen" um eine Waffenruhe in Syrien zu retten. Die USA, Großbritannien und Frankreich beantragten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, der am Sonntag um 17.00 Uhr MESZ tagen sollte.

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Die Europäische Union ruft angesichts der zugespitzten Lage in Syrien zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Alle Länder, die Einfluss auf das Regime in Syrien hätten und jene, die im Kontakt mit der bewaffneten Opposition stünden, müssten maximalen Druck auf die Konfliktparteien ausüben, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und des für humanitäre Hilfe zuständigen EU-Kommissars Christos Stylianides am Samstagabend.

Eine von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe war Anfang der Woche gescheitert. Danach waren die Kämpfe um die syrische Großstadt Aleppo in großer Schärfe wieder aufgeflammt.

Zwei Millionen Menschen ohne Wasser, Verwundete ohne Versorgung

Dem UN-Kinderhilfswerk Unicef zufolge sind zudem fast zwei Millionen Menschen in ganz Aleppo von der Wasserversorgung angeschnitten. Die Kliniken in Aleppo sind nach Angaben eines Reporters der Nachrichtenagentur AFP überfüllt, wegen fehlender Betten liegen viele Verletzte vor Schmerzen wimmernd auf dem Boden. Krankenwagen können die Straßen wegen fehlender Beleuchtung und Treibstoffmangels kaum passieren, Trümmerberge versperren oftmals den Weg.

Die Luftangriffe auf die von den Rebellen kontrollierten Viertel sollen eine Bodenoffensive vorbereiten, mit der die syrische Armee die seit 2012 zwischen Rebellen und Regierungstruppen geteilte Stadt vollständig zurückerobern will. Syriens Außenminister Walid Muallem verteidigte das Vorgehen der Regierungstruppen. Damaskus glaube an einen Sieg, insbesondere, seit seine Truppen mit der Unterstützung durch Moskau, Teheran und die libanesische Hisbollah-Miliz "große Fortschritte in seinem Kampf gegen den Terrorismus" mache, sagte er vor UN-Vollversammlung.

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