So allumfassend zieht Präsident Wladimir Putin jegliche Wahrnehmung auf sich, dass fast in Vergessenheit gerät: Russland hat auch noch eine Regierung. Deren Chef ist Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew, auf dem einst die Hoffnungen vieler westlicher Staaten ruhten, er könne das Land demokratisieren, modernisieren und wettbewerbsfähiger machen. Viele Russen hatten diese Hoffnung übrigens auch. Das war die Zeit, da Medwedjew selbst noch Kremlchef war. Jetzt, als Ministerpräsident, muss er sich für all das verantworten, was sich in der täglichen mühsamen Politik so ansammelt an kleinen Fortschritten, Misserfolgen und Versäumnissen. Mögliche Trophäen sind für Putin reserviert. Viel bleibt da nicht übrig für den Premier: Nur 10,7 Prozent aller Russen haben nach einer Umfrage des staatlichen Instituts Wziom Vertrauen in Medwedjew. In diesen Tagen geht es auch um ihn.
Loyal, aber profillos:Was wird aus Medwedjew?
Der Premier wird von einem Rivalen bedrängt. Der langjährige Finanzminister Kudrin gilt als Vertrauter von Putin.
Von Frank Nienhuysen

