Loveparade: Erster Untersuchungsbericht "Das Sicherheitssystem hat versagt"

21 Menschen sind bei der Loveparade in Duisburg ums Leben gekommen. Aufgrund fehlerhafter Planung, nicht eingehaltener Vorgaben und mangelnder Zusammenarbeit mit der Polizei, glaubt die Landesregierung in NRW. Innenminister Jäger erhebt bei der Vorstellung des ersten Untersuchungsberichts schwere Vorwürfe.

Von Bernd Dörries

Der Veranstalter der Loveparade und die Stadt Duisburg haben nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Landesregierung durch fehlerhafte Planung, nicht eingehaltene Vorgaben und mangelnde Zusammenarbeit mit der Polizei den Tod von 21 Menschen verursacht.

Der Polizei-Inspekteur von Nordrhein-Westfalen, Dieter Wehe (l.), erläutert im Düsseldorfer Landtag Innenminister Ralf Jäger (SPD) an Schautafeln die bisherigen Erkenntnisse der Polizei zum Unglück bei der Loveparade.

(Foto: ag.ddp)

"Das Ordnersystem des Veranstalters ist zusammengebrochen", sagte Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) bei der Vorstellung des vorläufigen Berichts des Duisburger Polizeipräsidenten über die Katastrophe. Die Pannen beim Veranstalter hätten bereits damit begonnen, dass die Tore zum Veranstaltungsgelände nicht wie ursprünglich geplant ab zehn Uhr geöffnet wurden, sondern erst gegen Mittag, als die Polizei darauf drang, die Zugänge zu öffnen, vor denen sich bereits Zehntausende Menschen stauten. Innenminister Jäger sagte, die Schleusen zum Zugangsgelände seien mit zu wenigen Ordnern besetzt gewesen, auch im Bereich des Tunnels und der Rampe zum Festivalgelände hätte die Lopavent GmbH des Fitnessunternehmers Rainer Schaller zu wenig Personal eingesetzt, um den Besucherstrom gleichmäßig auf das höher gelegene Festivalgelände zu leiten. Von den für diesen Bereich 150 versprochenen Ordnern sei kaum einer gesehen worden. "Der Ordnungsdienst hat seine Aufgabe nicht erfüllt", sagte Jäger.

Nach der Analyse des nordrhein-westfälischen Polizeiinspekteurs Dieter Wehe hat ein Rückstau der Besucher zu der Massenpanik geführt. "Die Besucher haben den Bereich der Rampe nicht verlassen und sich auf dem leeren Gelände verteilt", sagte Wehe. Vielmehr seien Tausende stehengeblieben, hätten sich verpflegt und aus der Distanz den umherfahrenden Lkw-Wagen mit Musikbühnen zugeschaut. Als der Sicherheitsdienst des Veranstalters die Polizei angesichts der nicht mehr kontrollierbaren Massen im Tunnel und auf der Rampe um Hilfe rief, habe die Polizei versucht, durch Sperren in den beiden Tunneln und auf der Rampe zu verhindern, dass weitere Zuschauer nachdrängen. Dies sei nicht gelungen. Auf die Frage, ob die Polizei durch die Sperrungen noch zusätzlich zum Entstehen der Massenpanik beigetragen habe, sagte Wehe, dies sei ebenso Gegenstand der weiteren staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen wie die Frage, warum die Duisburger Polizei trotz der zuvor geäußerten Bedenken gegen die Veranstaltung nicht stärker drauf gedrängt habe, die Loveparade ganz abzusagen, wie es in Bochum 2009 der Fall war.

Wehe berichtete, dass die Polizei den Veranstalter vor der Massenpanik angewiesen habe, die Zugänge zum Tunnel zu sperren; dem seien die privaten Ordnungskräfte aber nicht nachgekommen, sodass zusätzliche Menschen in den Tunnel strömten. "Der Veranstalter hat die Vorgaben seines Sicherheitskonzepts nicht durchgeführt", sagte Innenminister Jäger.

Jäger machte auch die Stadt Duisburg für die Katastrophe verantwortlich und kritisierte deren Aufklärungsarbeit. "Es wird als unerträglich empfunden, dass nicht wirklich gesagt wird, was passiert ist, was zu den Toten geführt hat. Dies sehe ich auch so." Er warf der Stadtverwaltung vor, an keinerlei angemessener Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften interessiert gewesen zu sein. So habe die endgültige Genehmigung der Veranstaltung die Polizei erst am Tag der Veranstaltung erreicht. Nach Schätzungen eines Hubschrauberpiloten der Polizei befanden sich zur Zeit des Unglücks 350.000 bis eine halbe Million Besucher in der gesamten Stadt. Das Festivalgelände selbst sei bei weitem nicht ausgelastet gewesen.

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