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Lokführer:"Diesmal richtig lange"

Im Tarifkonflikt mit der Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL erneut lange Streiks angekündigt. Man habe "die Nase gestrichen voll", hieß es. Zuvor hatte die Bahn ein neues Angebot abgegeben. GDL-Chef Weselsky wies es als unzureichend zurück.

Von Detlef Esslinger

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) plant offenbar neue Streiks, die noch heftiger ausfallen sollen als die bisherigen. Das Zugpersonal habe Druck gemacht und längere Streiks gefordert, heißt es in einer Mitteilung, welche die GDL am Freitag auf ihrer Webseite veröffentlicht hat. "Nun denn - diesmal wird es richtig lange", hieß es in dem Text, der niemanden zitierte, aber in der Diktion des Vorsitzenden Claus Weselsky verfasst war.

Die Verhandlungstaktik der Bahn nehme "skurrile Züge" an, eine Ankündigung des Konzerns nannte die GDL "vollmundig"; außerdem habe das Zugpersonal "die Nase schon lange gestrichen voll". Mit diesen Worten bewertete die Organisation ein Gespräch, das ihr Vorsitzender Weselsky am Mittwoch in Frankfurt mit Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber geführt hatte. Dabei hatte Weber ein Angebot vorgelegt, das der Gewerkschaft aber zu niedrig ist und auf zu wenige Forderungen überhaupt eingeht.

Das Angebot bestand in einer Einmalzahlung sowie Lohnerhöhungen in zwei Stufen. Die Einmalzahlung sollte 250 Euro betragen und zusätzlich zu den 750 Euro fließen, die die Bahn ihren Beschäftigten im Februar gezahlt hatte. Die erste prozentuale Lohnerhöhung soll es im Juli geben, und zwar um 3,2 Prozent. Im Juli nächsten Jahres will die Bahn die Gehälter des Zugpersonals nochmals um 1,5 Prozent erhöhen.

Weselsky lehnte aus mehreren Gründen ab. Da der frühere Tarifvertrag bereits vor knapp einem Jahr auslief, würde das neue Angebot eine Laufzeit von 30 Monaten bedeuten; gerechnet auf einen solchen Zeitraum sei ein solches Lohnplus "natürlich viel zu wenig". Außerdem mache die DB kein Angebot zur Absenkung der Arbeitszeit oder zur Begrenzung von Überstunden. Und sie wolle die Lokrangierführer auch künftig nicht wie Lokführer bezahlen.

Der Konzern räumte ein, dass die Lokrangierführer "immer noch der Knackpunkt" seien. Die DB will diese Berufsgruppe allenfalls Schritt für Schritt aufwerten, die GDL hingegen sofort. Das Problem der Überstunden will die Bahn lieber mit Neueinstellungen sowie mit Mitteln des Personalmanagements lösen als über einen Tarifvertrag. Eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit lehnt sie mit Blick auf ihre Konkurrenten ab. Sollte die GDL nun nicht weiterverhandeln wollen, spricht sich die Bahn für ein "Schlichtungsverfahren über alle offenen Punkte" aus. Die GDL ging darauf in ihrer Erklärung nicht ein. Sie nannte aber auch kein Datum für den neuen Streik. Es wäre der achte.

© SZ vom 02.05.2015
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