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Lokführer:Abgefahren

GDL head Schell addresses a news conference in Berlin

Der ehemalige GDL-Chef Manfred Schell.

(Foto: REUTERS)

Manfred Schell machte die Gewerkschaft GDL berühmt - nun wird er von seinem Nachfolger ausgeschlossen. Der angebliche Grund: nicht gezahlte Beiträge.

Manfred Schell ist der Mann, der vor acht Jahren die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) allgemein bekannt machte. Mit dem damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn lieferte er sich einen elfmonatigen Arbeitskampf. Manfred Schell ist auch der Mann, der Claus Weselsky in die GDL-Zentrale holte, ihn erst zu seinem Stellvertreter machte und dann als seinen Nachfolger akzeptierte. Nun ist Manfred Schell wohl der erste ehemalige Vorsitzende einer bundesdeutschen Gewerkschaft, der von ihr ausgeschlossen wurde. Den Rausschmiss gab die GDL am Montag bekannt und nannte als Grund dafür: "nicht gezahlte Mitgliedsbeiträge". Mit Schell wurden auch zwei frühere stellvertretende GDL-Vorsitzende ausgeschlossen, Sven Grünwoldt und Thorsten Weske - aus demselben Grund. Mit der GDL werden sie in Zukunft nur noch insofern zu tun haben, als dass die Organisation sie auf die Zahlung der "zum Teil fünfstelligen" Beiträge verklagt hat. "Wir behandeln alle Mitglieder gleich", sagte Vize Norbert Quitter, "bei uns gibt es keinen Prominentenbonus."

Zwischen den Dreien und der heutigen GDL-Führung gibt es seit Jahren Streit. Weil sie Dienstliches mit Privatem vermengt haben sollen, enthob GDL-Chef Weselsky vor Längerem Grünwoldt und Weske ihrer Posten. Schell, der mit beiden gut bekannt ist, nannte Weselsky daraufhin "Assad". Im zurückliegenden Konflikt kritisierte er Weselsky mehrmals öffentlich, wobei jedoch unklar blieb, ob Schell zu jenen Vorgängern gehört, denen ihre Nachfolger auch grundsätzlich nicht gefallen - oder ob er seine Freunde rächen wollte. "Gewerkschaftsschädigendes Verhalten" warf die GDL den Dreien nicht vor - wohl aber zwei Mitgliedern namens Volker Siewke und Dieter Kowalsky. Sie hatten eine Vereinigung namens "Initiative für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in der GDL" gegründet und Weselsky mehrmals öffentlich kritisiert ("autoritär", "rücksichtslos", "streikt sich kaputt"). Ihnen widmete nun der zweite GDL-Vize Lutz Schreiber die Abschiedsworte: "Wer die GDL über die Medien diskreditiert und wer bewusst Zwietracht sät, der muss wissen, dass dies mit der Satzung nicht vereinbar ist."

© SZ vom 01.09.2015
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