Lokalpolitiker erzwingt Grünen-Urwahl Dieser Mann fordert Trittin und Roth heraus

Die Großkopferten trauen sich nicht, dann macht es eben der Lokalpolitiker aus dem Ländle: Werner Winkler tritt als Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl an. Er ist der dritte Bewerber - und erzwingt somit eine Urwahl. Mit der SZ spricht Winkler über seine Motivation, alte Herren im Bundestag und vielversprechende neue Gesichter.

Interview: Oliver Das Gupta

Basisdemokratie ist seit jeher ein Anliegen der Grünen. Doch über ihre Spitzenkandidaten wollten sie nur abstimmen lassen, wenn sich - neben Parteichefin Claudia Roth und Fraktionschef Jürgen Trittin - weitere Bewerber finden. Diese Voraussetzung ist nun erfüllt: Werner Winkler, 47, Ortsverbandsvorsitzender in Waiblingen, tritt an - und beschert den Grünen somit eine Urwahl.

Werner Winkler engagierte sich kurz in der Freien Union, der Partei der ehemaligen CSU-Politikerin Gabriele Pauli. Inzwischen ist der 47-Jährige Ortsverbandsvorsitzender der Grünen in Waiblingen in Baden-Württemberg. Seine neue Rolle ist die eines Kandidaten: Winkler fordert Claudia Roth und Jürgen Trittin als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 heraus.

(Foto: privat)

SZ: Herr Winkler, Sie wollen Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl 2013 werden - und erzwingen so eine Urwahl. Sind die in Berlin jetzt sauer auf Sie?

Werner Winkler: (lacht) Das weiß ich nicht, ich hoffe es nicht! Ich habe mir bislang nur den Eingang meiner Bewerbung bestätigen lassen.

SZ: Warum kandidieren Sie? Wären Sie mit einer Doppelspitze Trittin/Roth nicht einverstanden?

Winkler: Das will ich mit meiner Kandidatur nicht ausdrücken.

SZ: Sondern?

Winkler: Ich finde die beiden schon gut. Ich möchte nur, dass die Mitglieder eine Wahl haben. Wählen bedeutet ja auch auswählen zwischen verschiedenen Kandidaten. Und wenn man nach Berlin schaut, merkt man doch, dass auch unsere Häuptlinge sich schwertun mit der Entscheidung, wer sich um die Spitzenkandidatur bewerben soll.

SZ: Ihnen geht es also ums Prinzip?

Winkler: Genau. Wir Grünen meinen es doch ernst, wenn wir mehr direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung fordern. Dann müssen wir es auch innerparteilich vorleben. Meine Frau ist Erzieherin, sie kann Kindern doch auch nur dann glaubhaft Werte vermitteln, wenn sie sie auch lebt. Und ich versuche es eben auf meine Weise. Wenn die Parteimitglieder nur noch dem Vorschlag von Oben zustimmen, unterscheiden wir uns darin nicht so sehr von der SED.

SZ: Sie selbst sind ja noch gar nicht so lange bei den Grünen.

Winkler: Stimmt, letztendlich lag das an Stefan Mappus. Ich war damals dabei im Schlosspark und musste erleben, wie wir Alte und Schüler vor den Wasserwerfern schützen mussten. Danach hab ich meiner Frau gesagt: 'Jetzt muss ich mich engagieren'. Und es lag natürlich auch an der Person Winfried Kretschmann. Der war einfach glaubwürdig.

SZ: Sie sprechen in der Vergangenheit. Ist er denn als Ministerpräsident nicht mehr glaubwürdig, jetzt wo der Stuttgart 21 gebaut wird?

Winkler: Natürlich ist er glaubwürdig. Kretschmann ist eine ehrliche Haut. Und er ist einer, der Werte vermittelt, der direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung ernst nimmt. Es gab eine Volksabstimmung über Stuttgart 21, die erste überhaupt! Das ist doch ein Erfolg.

SZ: Aber die ging ja verloren.

Winkler: Ja, das ist bitter, aber eben gelebte Demokratie. Und genau deshalb möchte ich auch, dass wir als grüne Partei alle Mitglieder entscheiden lassen, welche Spitzenleute bei Wahlen antreten. Ich hoffe, dass durch meine Kandidatur gerade die Jungen ermuntert werden, ebenfalls anzutreten. Es gibt im Bundestag ohnehin viel zu viele alte Herren.

SZ: Das sagen sich die Piraten auch - und die haben nur junge Leute in den Landesparlamenten von Berlin und dem Saarland sitzen.

Winkler: Der grüne Nachwuchs ist vielversprechend. Wir haben überall tolle, motivierte junge Menschen, in allen Ebenen.

SZ: Das Personal der Bundesspitze hat sich, mit Ausnahme von Cem Özdemir, seit vielen Jahren kaum verändert. Wer hat denn Ihrer Ansicht das Zeug für Berlin?

Winkler: Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, zum Beispiel. Ich würde mir wünschen, dass er künftig eine größere Rolle spielt.

SZ: Herr Winkler, was ist denn, wenn Sie am Ende tatsächlich im Bundestag landen?

Winkler: Na, dann mache ich das.

SZ: Und was sagt Ihre Frau dazu?

Winkler: Mit der habe ich das alles abgesprochen, die steht voll hinter mir.

Spitzenpersonal in spe bei den Grünen

Roth für Grün in Ewigkeit, Amen