Lobbyismus:Stadtführer mit Gruseleffekt

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(6) EUTOP

Lobbyismus: In namhafter Nachbarschaft: Die Berliner Repräsentanz der Lobby-Firma EUTOP Unter den Linden.

In namhafter Nachbarschaft: Die Berliner Repräsentanz der Lobby-Firma EUTOP Unter den Linden.

(Foto: Foto: Das Gupta)

Neben dem ZDF findet sich im Zollernhof an der Straße Unter den Linden mit Eutop auch eine reine Lobbyagentur. Eutop arbeitet gerne im Verborgenen und fällt nicht mit großen PR-Kampagnen auf. Das Unternehmen verfügt über Repräsentanzen in Berlin, Brüssel, München, New York, Paris, Peking, Tokio und Wien.

Schwerpunkt ist die Vertretung der Kundeninteressen gegenüber den EU-Institutionen in Brüssel und in den EU-Mitgliedsstaaten. Gründer und Geschäftsführer Klemens Joos kommt aus dem CSU-Umfeld und gehörte früher dem Vorstand der Jungen Union in Bayern an. Die Agentur gilt als eher konservativ und gut vernetzt in der Union. Ende der neunziger Jahre spendete Eutop laut LobbyControl 110.000 Euro an die CDU und 58.000 Euro an die CSU. Über die Kunden ist nur wenig bekannt: Dazu gehören sollen die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die Deutsche Telekom - und Porsche.

Im Dezember 2007 bestätigte ein Sprecher des Stuttgarter Sportwagen-Herstellers auf Anfrage von sueddeutsche.de, dass der Konzern die Dienste der Lobbyisten-Firma in Anspruch genommen habe: "Porsche hat sehr gute Erfahrungen mit Eutop gemacht", hieß es damals.

(7) Café Einstein

Wer nach einem Bummel über den Prachtboulevard Unter den Linden einen Kaffee trinken und dafür auch gerne mehr als drei Euro ausgeben will, dem sei das Café Einstein empfohlen. Hier lässt sich Lobbyismus live beobachten. Das Café mitten im Regierungsviertel ist Anlaufpunkt für Politiker vom Abgeordneten bis zum Minister, für Journalisten und Lobbyisten.

Das Einstein ist ein halböffentlicher Ort. Wer sich hier trifft, so heißt es, möchte gesehen werden - oder hat zumindest nichts dagegen. Vertrauliche Absprachen finden woanders statt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Fenster im hinteren Teil des Cafés auch als Türen und Notausgang genutzt werden können, wenn man den Vordereingang meiden möchte.

(19) EADS

Der deutsch-französische Misch-Konzern residiert im Kolhoff-Tower am Potsdamer Platz 1. EADS ist eine der ersten Adressen in der Luft- und Raumfahrt und im Rüstungsgeschäft. Unter anderem gehört Airbus zu EADS. Produkte der Rüstungssparte sind etwa militärische Transport- und Tankflugzeuge, der Kampfjet Eurofighter, Hubschrauber, Raketen und Artillerie sowie Verteidigungs- und Kommunikationssysteme.

EADS ist auch der größte Anteilseigner von MBDA, das Lenkwaffen und auch Streumunition herstellt. Der Gesamtumsatz von EADS betrug im Geschäftsjahr 2007 rund 39 Milliarden Euro. Der Rüstungsbereich hat laut Unternehmensangaben daran einen Anteil von etwa 20 Prozent.

Für die eigene Lobbyarbeit engagierte EADS jüngst den SPD-Abgeordneten Dietmar Staffelt. Von Januar 2009 an soll er der neue EADS-Cheflobbyist werden und wird dann sein Bundestagsmandat niederlegen. Mit Staffelt holt sich EADS gute Kontakte und einschlägige politische Erfahrungen. Staffelt war bis 2005 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt. Im Bundestag saß er danach im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten und als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie.

Das Buch "Lobbyplanet Berlin - Der Reiseführer durch den Lobbydschungel" kostet 7,50 Euro und kann direkt bei LobbyControl bestellt werden. Adresse: LobbyControl e.V., Friedrichstraße 63, 50676 Köln. Oder unter www.lobbycontrol.de

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