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Lobbying rund um TTIP-Abkommen:Chemie-Verband: Wir senken keine Standards

Reinhard Quick redet hingegen gern über Chemikalien. Der 60-Jährige vertritt seit 1993 den Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Brüssel und sein Europabüro in der Rue du Commerce liegt auf der Route von Kenneth Haars Lobby-Tour. Laut Corporate Europe Observatory setzt die Chemiebranche auf "regulatorische Kooperation": Demnach müssten EU-Kommission und US-Behörden die Konzerne künftig vorab über neue Regeln informieren. So könnten diese früh Einfluss nehmen, was das hohe Sicherheitsniveau in Europa gefährde, sagt Haar.

"Hüte dich vor diesem TTIP" steht auf dem Protestplakat, das eine Belgierin bei einer Demo in Brüssel hochhält.

(Foto: Matthias Kolb)

Quick weist das zurück: "Bei den Schutzstandards kann und wird es keine Absenkung geben." Die Systeme zur Regulierung von Chemikalien funktionierten auf unterschiedliche Art. In der EU müssten alle Stoffe und deren Verwendungen angegeben werden, während ein solch umfassendes Registrierungssystem in den USA nicht existiere. Daher werde es keine gegenseitige Anerkennung geben, versichert Quick: "Wir wollen aber die regulatorische Kooperation verankern, weil die Standards ähnlich sind." Der VCI hoffe darauf, dass so mittel- und langfristig Rechtsvorschriften angenähert werden. "Eine einheitliche Etikettierung und Kennzeichnung von Chemikalien würde viel Geld sparen", sagt Quick.

Der VCI-Mann gehört auch zum 14-köpfigen Beratergremium von Kommissar Karel De Gucht, in dem auch Gewerkschaftler und Verbraucherschützer sitzen. "Das ist keine Show, da wird heftig diskutiert und um Positionen gerungen", sagt er. Die Brüsseler Lobbyarbeit war dem VCI zuletzt 3,6 Millionen Euro im Jahr wert, doch den Vorwurf des "privilegierten Zugangs" weist Quick zurück: "Wir kümmern uns um unsere Anliegen und bitten die Kommission regelmäßig um Termine. Aber die erhält auch jeder andere Akteur."

Der Chemie-Lobbyist hält den Kritikern vor, die öffentlich zugänglichen Dokumente nicht genau zu lesen. Wenn ihn Artikel oder TV-Sendungen ärgern, dann gibt Quick eine Presseerklärung heraus und schreibt Leserbriefe, die schon mal acht Seiten umfassen. In den sozialen Netzwerken ist er nicht aktiv - er suche lieber das direkte Gespräch mit Gewerkschaften und EU-Parlamentariern.