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Linkspartei:Oskars Auferstehung

Oskar Lafontaine Linke Linkspartei Comeback

Im Januar 2010 verkündete Oskar Lafontaine (links) im Beisein von Gregor Gysi seinen Rücktritt, nun hat er sein Comeback in Aussicht gestellt.

(Foto: dpa)

Die Linkspartei muss mit einer Rückkehr Oskar Lafontaines in die Bundespolitik rechnen - und mit einem Streit zwischen ihm und Gregor Gysi um den Fraktionsvorsitz. Doch Lafontaine könnte auch eine ganz andere Strategie verfolgen, um Freundin Wagenknecht den Weg an die Spitze der Fraktion zu ebnen.

Von Daniel Brössler, Berlin

Zwei bedeutende Termine fallen aus linker Sicht auf den 5. Mai. Es jährt sich zum 195. Mal der Tag, an dem in Trier Karl Marx zur Welt gekommen ist. Und in der ATSV-Halle in Saarbrücken tagt die Landesmitgliederversammlung der saarländischen Linken. Das Treffen in der Halle des Alt-Saarbrücker Turn- und Sportvereins ist zumindest für die unmittelbare Zukunft der Linkspartei das wichtigere Ereignis. Es findet, wie im Terminplan auf der Homepage so lieblos wie orthografisch unkorrekt vermerkt, "u.a. mit Aufstellung der Lendesliste Saar zur Bundestagswahl" statt. Die Aufstellung dieser Landesliste wird in der Partei auch fern der Saar mit Spannung erwartet, weil sie mit der Rückkehr von Oskar Lafontaine auf die Bundesbühne enden könnte - mit Folgen für den Wahlkampf und die Zeit danach.

Im Februar hatte Lafontaine angedeutet, dass er sich erneut um einen Sitz im Bundestag bewerben könnte, und hat seitdem wenig unternommen, um Spekulationen darüber einzudämmen. Im Gegenteil: Es gebe keinen neuen Sachstand, wird Fragestellern regelmäßig beschieden. Dementis sehen anders aus. Lafontaine, der sich nach der Bundestagswahl 2009 aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte und an der Saar Fraktionsvorsitzender im Landtag wurde, will offenkundig, dass mit seiner Rückkehr gerechnet wird.

Dieses Ziel hat er erreicht. Die Genossen harren wieder einmal einer Entscheidung ihres früheren Vorsitzenden - und sie machen sich Gedanken über deren Konsequenzen. Sicher ist, dass eine Rückkehr Lafontaines die Verhältnisse in der Linken durcheinander wirbeln würde. Das fängt damit an, dass das für den Wahlkampf gebildete Achter-Team mit bundesweit bisher eingeschränkt prominenten Mitgliedern wie Nicole Gohlke und Diana Golze vollends obsolet würde. Die Kampagne würde wieder von zwei Männern dominiert werden: Gregor Gysi und eben Lafontaine. Die Linke könnte dann im Westen - so die Hoffnung - aus einem Reservoir schöpfen, das größer ist als jene zwei bis drei Prozent, die der Partei dort bislang sicher sind.

Vor allem aber schafft die mögliche Wiederkehr Lafontaines eine neue Unbekannte in den Planspielen für die Zeit nach der Bundestagswahl. Im Kreise der im Osten tonangebenden Reformer hat Gysi bereits klargestellt, dass er zunächst wieder alleiniger Fraktionsvorsitzender werden will und nach zwei Jahren Jüngeren Platz zu machen gedenkt. Es ist aber nicht leicht vorstellbar, dass Lafontaine sich in diesen zwei Jahren auf die hintere Bank setzen und Gysi machen lassen würde. Eine Neuinszenierung der alten Doppelspitze gilt vielen in der Fraktion indes als noch unwahrscheinlicher. Auf dem Parteitag in Göttingen haben beide offen ihren Bruch zelebriert, der auch durch gemeinsame Essen seitdem nicht geheilt wurde. Die Ost-Reformer lassen bereits wissen, dass sie ihre Hand für Lafontaine nicht mehr heben würden. Hinzu kommt, dass eine Spitze aus zwei Männern von den linken Frauen kaum noch akzeptiert werden dürfte.

Als denkbar gilt, dass Lafontaine den Fraktionsvorsitz gar nicht anstreben und so Gysi unter Druck setzen könnte, ebenfalls zu verzichten. Bekannt ist, dass Lafontaine seine Freundin Sahra Wagenknecht an der Spitze der Fraktion sehen will. In Gysis Pläne passt das nur zum Teil. In einer Nachfolgeregelung kann auch er sich Wagenknecht, die Ikone der Parteilinken, als Fraktionsvorsitzende vorstellen - allerdings nur zusammen mit dem früheren Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, dem Frontmann der Reformer. Beide haben bisher jedoch wenig bis keine Neigung gezeigt, ein Team zu bilden. In beiden Lagern werden deshalb schon erste Abweichler gesichtet, die nach neuen Kandidaten Ausschau halten.

An diesem Freitag präsentieren die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger im Berliner Brechthaus nun erst einmal den Leitantrag für das im Juni zu verabschiedende Wahlprogramm - zusammen mit Gregor Gysi.

© SZ vom 17.04.2013/mahu
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