Linken-Politikerin Wagenknecht und der rechte Rand

"Die Ängste muss ich nicht wecken, sie sind da": Sahra Wagenknechts Äußerungen zu Flüchtlingen scheinen denen der AfD immer ähnlicher zu werden.

(Foto: dpa)

Niemand macht es Grünen und Sozialdemokraten so schwer, sich der Linkspartei zu nähern, wie Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht. Was treibt sie?

Von Constanze von Bullion, Berlin

Sie regt auf, sie spitzt zu, sie gilt als wandelndes Sperrwerk auf dem Weg zu einem rot-rot-grünen Bündnis: die linke Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht. Niemand in der Berliner Politik macht es Grünen und Sozialdemokraten so schwer, die Linkspartei ein bisschen lieb zu haben - und das, obwohl mit der Martin-Schulz-SPD die Möglichkeit für Rot-Rot-Grün zum ersten Mal seit Langem wieder denkbar erscheint. Aber auch Wagenknechts eigene Leute treibt die 47-jährige Fraktionschefin regelmäßig zur Verzweiflung. Vor allem mit einem Manöver, das Parteifreunde wahlweise mutig oder rassistisch nennen, "Müll", "Scheiße", "eine Katastrophe".

Gemeint sind Wagenknechts Äußerungen zu Flüchtlingen, die denen der AfD immer ähnlicher zu werden scheinen. Mal wirft sie der Bundeskanzlerin vor, für Hunderttausende aus dem Nahen Osten Herz und Schatulle zu öffnen, die Armen im eigenen Land aber zu vergessen. Mal lobt Wagenknecht Donald Trump, warnt vor Kontrollverlust an deutschen Grenzen oder rechnet den Wählern vor, wie teuer Kriegsflüchtlinge die Kassiererin an der Aldi-Kasse kommen könnten.

Die SZ hat Sahra Wagenknecht zu Wählern nach Sachsen-Anhalt begleitet, die jetzt statt für die Linke für die AfD stimmen wollen. Die SZ hat aufgebrachte Parteifreunde der Spitzenkandidatin getroffen, die Wagenknecht vorwerfen, mit ihren Warnungen in der Flüchtlingspolitik Angst vor Fremden zu wecken, die Linke weit nach rechts rücken zu wollen.

Quatsch, sagt Wagenknecht solchen Kritikern, "die Ängste muss ich nicht wecken, sie sind da". Sie rechnet vor: "Wenn 800 000 Menschen nach Deutschland kommen und 500 000 brauchen einen Job, verstärkt das natürlich die Lohnkonkurrenz." Wer Wagenknecht eine Weile so reden hört, kann sich schon mal fragen, warum eine Frau, die selbst so viel Ausgrenzung erlebt hat, eigentlich so wenig für Ausgegrenzte übrig zu haben schient. Es ist eine Geschichte, die im Saaletal in Thüringen beginnt, wo ein Mädchen mit tintenschwarzem Haar auf einem Fahrrad herumflitzt.

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