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Linken-Parteitag in Hamburg:Laut, aber unterlegen

Für die Reformer eine erträgliche, weil bis dahin einzige Niederlage. Auf dem Parteitag kursierte neben dem offiziellen Listenvorschlag der Partei noch eine ominöse "Ost-Liste", mit zu Teil anderen Namen als auf der offiziellen Liste. Bis auf Dominic Heilig sind bis zum letzten aussichtsreichen Platz neun alle den Ost-Linken genehmen Kandidaten gewählt worden.

Laut waren sie auf diesem Parteitag, die Ultras aus dem Bundestag - von Wolfgang Gehrcke über Heike Hänsel und Inge Höger bis Sevim Dağdelen. Dank des Losglücks hatten sie die Europadebatte am Samstag bestimmt. Aber in den Abstimmungen verloren sie mit ihren radikalen Positionen.

Wenn das so weitergeht, steht die Linke womöglich bald vor einer Häutung. Ähnlich wie sie die Grünen nach der rot-grünen Regierungsübernahme 1998 erlebt haben. Die einstige Friedenspartei hat spätestens mit ihrem Ja zum deutschen Militäreinsatz auf dem Balkan den kompletten Flügel der Anti-Kriegs-Aktivisten verloren. Und auch die entsprechenden Wählergruppen.

Ein entspannter Umgang mit der Nato könnte ein Anfang sein

Heute haben die Grüne andere Wähler als noch vor 20 Jahren. Und es sind mehr. Die Grünen sind stärker als sie vor 1998 je waren.

Will die Linke gestalten anstatt immer nur zu protestieren, wird sie diesen Weg gehen müssen. Oder die Ultras lernen, Kompromisse zu machen - auch in der Friedenspolitik. Ein entspannter Umgang mit der Nato könnte ein Anfang sein. Oder die grundsätzliche Bereitschaft, UN-mandatierte Auslandseinsätze der Bundeswehr als politische Option überhaupt nur in Erwägung zu ziehen.

Dieser Parteitag in Hamburg ist eine Zäsur. Er hat gezeigt, die Linke wird den Weg der schrittweisen Öffnung gehen - die Mehrheiten dafür sind da. Ohne diese Öffnung werden linke Mehrheiten im Bundestag auch 2017 nicht zu einer linken Regierung führen. Die Hardliner müssen sich überlegen, ob sie dabei sein wollen. Oder besser gehen. Mit anderen Worten: Ultras, hört die Signale.

© Süddeutsche.de/olkl
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