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Linken-Duo Gysi und Lafontaine:Neue Probleme, alte Anführer

Gregor Gysi will Spitzenkandidat werden, Oskar Lafontaine möglicherweise auch. Mit dem Duo errang die Linke einst doppelt so viele Stimmen wie nach aktuellen Umfragen. Die beiden könnten die Partei bei der nächsten Bundestagswahl retten - was nicht nur an der Stärke der zwei Politiker liegt, sondern auch an der Schwäche der Partei.

Zu den Rätseln der Linkspartei gehört ihr Timing. Im Juni endet die Amtszeit der jetzigen Parteiführung, doch bis dato ist ungewiss, wer auf welchem Wege zum Vorsitzenden gewählt werden kann. Bis zur Bundestagswahl vergehen planmäßig noch mehr als anderthalb Jahre, doch wer die linken Spitzenkandidaten sein werden, ist jetzt schon so gut wie klar. Gregor Gysi hat seine eigene Bereitschaft erklärt und bei der Gelegenheit jene von Oskar Lafontaine zumindest in Aussicht gestellt. Das ist nur so zu verstehen, wie Gysi es wohl auch gemeint hat: Vorsitzende kommen und gehen, die beiden starken Männer der Partei bleiben.

Klausurtagung Linke - Gysi

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hat deutlich gemacht, dass er seine Partei wieder in den Wahlkampf führen wolle.

(Foto: dpa)

Mit dem Duo hatte die Linke 2009 fast zwölf Prozent der Stimmen errungen. In Umfragen liegt sie nun genau bei der Hälfte. Die Linken müssen sich eingestehen, dass es in ihrer Partei niemanden außer den beiden alten Frontleuten gibt, der sie bei der nächsten Bundestagswahl einigermaßen sicher über die Fünf-Prozent-Hürde hieven kann. Niemand verfügt annähernd über deren Integrationskraft nach innen und Strahlkraft nach außen. So wird die Rettung der jungen Partei zu einem Projekt von Senioren. Gysi begeht am kommenden Montag während des politischen Jahresauftakts der Partei, also im Kreise seiner zerstrittenen Lieben, seinen 64. Geburtstag. Am Ende der nächsten Legislaturperiode wird er fast 70 Jahre alt sein. Lafontaine, der sich nach Gesundheitsproblemen wieder fit fühlt, wäre dann bereits 74.

Die Rückrufaktion für Lafontaine mag dessen Stärke geschuldet sein, vor allem aber der Schwäche einer Partei, die in leidenschaftlichen Grabenkämpfen versinkt. Auch sieben Jahre nach Beginn des linken Projekts ist es ohne seine Schöpfer nicht lebensfähig.