Süddeutsche Zeitung

Berlin:Linken-Parteizentrale wegen Bombendrohung geräumt

Die Partei vermutet den Absender der E-Mail im rechtsextremistischen Milieu. Mittlerweile ist die Sperrung des Gebäudes wieder aufgehoben worden.

Die Parteizentrale der Linken in Berlin ist am Montag wegen einer Bombendrohung zeitweise geräumt worden. Eine Sprecherin der Bundespartei sagte, es sei eine entsprechende Droh-Mail eingangen. Die Partei vermutet den Absender wegen des Wortlauts im rechtsextremistischen Lager. Das Schreiben sei mit "Combat 18" unterzeichnet gewesen, heißt es aus der Partei. Combat 18 gilt als militante neonazistische Organisation, die als bewaffneter Arm des Netzwerks "Blood and Honour" gesehen wird.

Mittlerweile ist die Sperrung des Gebäudes allerdings wieder aufgehoben worden. Wie eine Polizeisprecherin sagte, sei das Schreiben geprüft, eine Ernsthaftigkeit aber verneint worden. Der polizeiliche Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen. Ein Strafverfahren gegen unbekannt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat sei eingeleitet worden.

Die Polizei habe die Drohung zunächst sehr ernst genommen, sagte die Sprecherin. Am Vormittag hätten daher alle Mitarbeiter der Partei das Haus in Berlin-Mitte verlassen müssen. Vor dem Eingangsbereich des Gebäudes errichtete die Polizei einen kleinen Sperrkreis. Eine ursprünglich für 13 Uhr geplante Pressekonferenz mit der stellvertretenden Parteichefin Martina Renner wurde abgesagt.

"Der rechte Terror erreicht als Drohung auch uns. Eine Bomben-Drohung per E-Mail führt zur vorgezogen Mittagspause", twitterte Parteichef Bernd Riexinger. Andere Politiker der Partei äußerten sich ähnlich. "So eine Bombendrohung zeigt, wie nahe und gefährlich der Rechtsterrorismus ist. Aber wir werden uns davon nicht einschüchtern lassen", sagte eine Sprecherin. "Ihr kriegt uns nicht klein", twitterte der stellvertretende Landeschef der Berliner Linken, Tobias Schulze.

Auch die Ditib-Moschee in Duisburg erhielt am Montag eine Bombendrohung. Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Drohungen besteht, war zunächst nicht bekannt. Das Gebäude wurde geräumt, weiträumig abgesperrt und durchsucht. Am Vormittag sei eine Drohung per E-Mail eingegangen, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Man gehe von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus. Weitere Angaben könne man aber erst nach Abstimmung mit dem Staatsschutz machen. Am Nachmittag war die Aktion nach mehr als vier Stunden noch nicht abgeschlossen. Die Merkez-Moschee in Duisburg ist eine der größten deutschlandweit.

Erst am 11. Juli hatte es eine Bombendrohung gegen eine Moschee in Iserlohn und zwei Tage zuvor gegen die Ditib-Zentralmoschee in Köln - den bundesweit größten Moscheekomplex - gegeben. In beiden Fällen gab die Polizei nach umfangreichen Durchsuchungen Entwarnung.

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