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Linke:Uff, die Personalfrage wäre geklärt

Co-Parteichefin Janine Wissler und Fraktionschef Dietmar Bartsch sind die Spitzenkandidaten der Partei - Die Linke - fue

Co-Parteichefin Janine Wissler und Fraktionschef Dietmar Bartsch sind die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl.

(Foto: Thomas Imo/Imago)

Janine Wissler und Dietmar Bartsch: Die Partei glaubt den perfekten Proporz gefunden zu haben. Bleibt nur noch ein anderes kleines Problem.

Von Boris Herrmann

Der Preis für die schönste kleine Spitze bei der Spitzenkandidatenkür der Linkspartei geht an Amira Mohamed Ali. Sie sagte auf der Showbühne in der Berliner Kulturbrauerei: "Mit Dietmar Bartsch schicken wir als Bundestagsfraktion zweifellos einen unserer Größten." Dann blickte sie lächelnd hinüber zu ihrem Co-Fraktionsvorsitzenden und flüsterte so laut, dass es gut zu hören war: "1,93 Meter, oder Dietmar?"

Mohamed Ali vergaß nicht zu erwähnen, dass Bartsch, 63, auch Qualitäten jenseits seiner wuchtigen Statur hat. Ihre wichtigste Botschaft aber war die ganz und gar grollfreie Art, mit der sie ihm das Feld für die Spitzenkandidatur überließ. Bartsch wird seine Partei nun gemeinsam mit Parteichefin Janine Wissler, 39, in die Bundestagswahl führen. Deren Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow hatte bereits zuvor ihre Ansprüche zurückgestellt. Sie sagte am Montag: "Jemand muss diesen Laden zusammenhalten." Damit meinte sie die Aufgabe der Linken in der Gesellschaft, aber es passte genauso gut auf ihre Rolle in der Partei.

Genau wie Hennig-Wellsow hätte auch Mohamed Ali den Job gerne übernommen. Sie versteht ihren Verzicht als Aufbruchssignal: "Es ging mir auch darum zu zeigen, dass der alte Konflikt zwischen Partei und Fraktion überwunden ist", sagte Mohamed Ali der SZ. Bei der Linken gibt es eine tiefe Sehnsucht, endlich die Grabenkämpfe der Vergangenheit hinter sich zu lassen, um sich auf den Kampf gegen die politischen Gegner konzentrieren zu können. Das scheint nun keine Utopie mehr zu sein mit dieser Doppelpersonalentscheidung, die der Parteivorstand mit fast 87 Prozent Zustimmung billigte. Für linke Verhältnisse ist das ein rekordverdächtiger Wert.

"Nicht die Partei der Stellschrauben"

Wissler und Bartsch decken gleichsam auch alle vorschriftsmäßigen Proporze ab: Frau und Mann, West und Ost, linksalternativ und reformorientiert, Partei und Fraktion. Der Wahlkampf kann beginnen. Und die Ungeduld in den eigenen Reihen, dass er bislang noch nicht begonnen hat, kam am Montag auch in der Bühnen-Deko zum Ausdruck, wo in Buchstaben, die noch größer als Bartsch waren, das Wort "Jetzt" stand.

Jetzt also zu den sogenannten Sachthemen. Die Linke will ja mitregieren im Bund, aber nur dann, wenn sich Grün und Rot mit Dunkelrot auf einen "echten Politikwechsel" einigen können. "Wir sind nicht die Partei der Stellschrauben", sagte Bartsch. Wissler nannte als große Stellwerke einen bundesweiten Mietendeckel, einen Stopp von Waffenexporten, die Abschaffung der Rente mit 67 sowie einen Mindestlohn von 13 Euro - einen mehr, als SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz am Vortag versprochen hatte. Bartsch sprach außerdem von einem "Marshallplan für die öffentliche Infrastruktur" und bekräftigte das Wahlziel, "zweistellig zu werden".

Wenn ihre Umfragewerte nicht so schrecklich einstellig wären, hätten sie am Montag richtig Spaß miteinander gehabt bei den Linken.

© SZ/kit
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