MittelmeerLibysche Küstenwache soll Rettungsschiff beschossen haben

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Die „Ocean Viking“ im Oktober 2023.
Die „Ocean Viking“ im Oktober 2023. Gerard Bottino/Imago/Zuma Wire

Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee veröffentlicht Aufnahmen, die Einschusslöcher zeigen sollen. Die Küstenwache sagt, es seien nur Warnschüsse gefallen, und spricht von „Übertreibung“.

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Das Rettungsschiff Ocean Viking ist nach Angaben der europäischen Hilfsorganisation SOS Mediterranee in internationalen Gewässern von der libyschen Küstenwache beschossen worden. Der Angriff habe am Sonntagnachmittag etwa 40 Seemeilen nördlich der libyschen Küste stattgefunden und etwa 20 Minuten gedauert, teilten die Seenotretter mit. Die Küstenwache dementierte die Darstellung und sprach von „Warnschüssen“.

An Bord befanden sich der Hilfsorganisation zufolge 87 Gerettete. Verletzt worden sei niemand. SOS Mediterranee veröffentlichte ein Video, dass Schussgeräusche und mehrere Einschusslöcher zeigen soll.

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„Dieser Vorfall war nicht nur eine ungeheuerliche und inakzeptable Tat“, heißt es in der Mitteilung der SOS Mediterranee. Die Seenotretter sprachen von einem gezielten Angriff und forderten eine gründliche Untersuchung. Zudem verlangten sie ein Ende der europäischen Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache.

Ein Sprecher der libyschen Küstenwache bestätigte einen Vorfall mit der Ocean Viking. Die Sicherheitskräfte hätten aber lediglich Warnschüsse in die Luft abgegeben. Europäische Hilfsorganisationen mit Schiffen in libyschen Gewässern würden „bei ihren Beschwerden über die libysche Küstenwache immer übertreiben“, sagte der Sprecher der dpa.

Dieses von der SOS Mediterranee zur Verfügung gestellte Bild soll Einschusslöcher in Fenstern der „Ocean Viking“ zeigen.
Dieses von der SOS Mediterranee zur Verfügung gestellte Bild soll Einschusslöcher in Fenstern der „Ocean Viking“ zeigen. Max Cavallari/SOS Mediterranée/AP/dpa

Er warf den Hilfsorganisationen vor, Migranten zu der gefährlichen Überfahrt zu bewegen. „Die Präsenz ihrer Schiffe ermöglicht die Arbeit der Schmuggler“, die ihre Boote mit den Migranten an Bord direkt in Richtung der Schiffe wie von SOS Mediterranee steuerten, so der Sprecher.

Jedes Jahr wagen Tausende Migranten die Überfahrt über das Mittelmeer, meist von Libyen oder Tunesien aus. Dabei gibt es immer wieder schwere Unglücke. Seenotretter und die italienische Regierung geraten regelmäßig in Streit über die Rettungsaktionen.

In einem anderen Fall teilte die Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans mit, dass ihr Rettungsschiff Mediterranea im Hafen von Trapani festgesetzt worden sei. Demnach werfen die italienischen Behörden der Crew vor, eine Anweisung des Innenministeriums ignoriert zu haben: Statt nach Genua im Norden des Landes zu fahren, hatte das Schiff zehn Gerettete in der sizilianischen Hafenstadt Trapani ans Land gebracht. Wie lange das Schiff festgehalten wird, ist noch unklar. Es droht eine Geldstrafe von bis zu 10 000 Euro.

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Vor zehn Jahren wurde das italienische Seenotrettungsprogramm „Mare Nostrum“ eingestellt. Seitdem sind im Mittelmeer private Schiffe unterwegs – gegen heftiger werdenden politischen Widerstand.

SZ PlusVon Marc Beise

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