Gefechte in Tripolis USA und UN fordern Stopp der Kämpfe in Libyen

  • US-Außenminister Pompeo fordert ein Ende der Kämpfe in Libyen.
  • UN-Vertreter verlangen zumindest eine zweistündige Waffenruhe, um Zivilisten und Verwundete aus den Kampfgebieten zu bringen.
  • Eine Erklärung zu Libyen im UN-Sicherheitsrat scheitert am Widerstand Russlands.

Die USA haben den libyschen General Khalifa Haftar aufgefordert, die militärische Offensive auf die Hauptstadt Tripolis unverzüglich zu stoppen. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag (Ortszeit), die USA seien wegen der Kämpfe sehr besorgt. Alle beteiligten Parteien seien dafür verantwortlich, die Lage dringend zu deeskalieren, wie der UN-Sicherheitsrat und die G-7-Minister am 5. April betont hätten.

"Diese einseitige Militäraktion gegen Tripolis gefährdet Zivilisten und untergräbt die Aussichten auf eine bessere Zukunft für alle Libyer", sagte Pompeo. Für den Konflikt gebe es keine militärische Lösung. Eine politische Lösung sei der einzige Weg, um das Land zu vereinen. Die USA ziehen als Reaktion auf die Gefechte in Libyen zudem vorerst einen Teil ihrer dort stationierten Soldaten ab, die dort sind, um im Kampf gegen islamistische Extremisten zu helfen und diplomatische Einrichtungen zu schützen.

Die UN-Gesandtschaft in Libyen rief zu einer zweistündigen Waffenruhe auf, um Zivilisten und Verwundete zu evakuieren.

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Eine Erklärung zu Libyen im UN-Sicherheitsrat ist unterdessen am Widerstand Russlands gescheitert. Moskau blockierte das Papier, das ein Ende des Vormarsches der Truppen von General Haftar fordern sollte. Moskau pocht nach Diplomatenangaben darauf, dass alle Konfliktparteien zu einem Ende der Kämpfe aufgerufen werden. Russland steht, ebenso wie Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate, hinter dem abtrünnigen General Haftar.

Der abtrünnige General Haftar hatte am Donnerstag überraschend eine Offensive auf Tripolis gestartet, die Libyen zurück in den Bürgerkrieg treiben könnte. Das Land ist seit dem Sturz des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 politisch gespalten. Außer der international anerkannten Sarradsch-Regierung im Westen gibt es eine konkurrierende Regierung in Ostlibyen, die mit dem 75 Jahre alten Haftar verbunden ist.

Die Sarradsch-Regierung in Tripolis kündigte am Sonntag eine Gegenoffensive gegen die Truppen Haftars an. Ihr zufolge wurden bei den Kämpfen um Tripolis bislang 21 Menschen getötet und 27 verletzt, wie die britische BBC meldet. Haftars Truppen verloren demzufolge 14 Kämpfer.

UN pochen auf geplante Konferenz

Haftar will die libysche Hauptstadt einnehmen und die militärische Kontrolle über das gesamte Land übernehmen, bevor in der kommenden Woche von den UN geförderte Gespräche über die Zukunft des Landes beginnen sollten. Bei den Verhandlungen sollte ein Zeitplan für mögliche Neuwahlen gesteckt werden. Die UN pochen darauf, dass die Konferenz trotz der Gefechte wie vorgesehen stattfindet.

Die Offensive des Generals bedeutet eine neue Eskalation in einem Land, das seit dem mit westlicher Hilfe erreichten Sturz des Langzeitmachthabers Gaddafi 2011 von Krisen erschüttert wird. Seit Jahren kämpfen in dem nordafrikanischen Staat etliche Milizen um Macht und Pfründe. Mehrere UN-Vermittler scheiterten damit, eine Lösung zu finden.

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