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Libyen: Kampf um Misrata:Arabische Revolution in fremden Händen

Sarajewo, Grosny und nun Misrata: Die libysche Rebellenhochburg könnte zum Symbol für die Ohnmacht der Welt werden. Hier könnte wahr werden, was der Westen stets fürchtete: Er könnte in einen Bodenkrieg verstrickt werden.

Sonja Zekri

Jeder Krieg hat einen Ort, der zum Symbol für Macht oder Ohnmacht der Welt wird: Sarajewo, Grosny und nun Misrata. Die Stadt, einzige Rebellenhochburg im Westen Libyens, wird nur noch übers Meer versorgt.

Die Berichte von verdurstenden afrikanischen Gastarbeitern und toten Kindern demonstrieren der Nato seit sieben Wochen ihre Hilflosigkeit. Militärisch kommen die Rebellen nicht vom Fleck, politisch zeichnet sich keine Lösung ab, solange der libysche Gewaltherrscher Muammar al-Gaddafi nicht abtritt, wozu er wenig Grund sieht, auch wenn es als ausgemacht gilt, dass das Land mit ihm keine Zukunft hat.

In Misrata nun wird das westlich-arabische Militärbündnis nicht einmal dem Kernauftrag der UN-Resolution 1973 gerecht: dem Schutz von Zivilisten. Gaddafis Truppen verschanzen sich hinter Frauen und Kindern, aus der Luft sind sie nicht zu besiegen.

Misrata könnte der Kreuzweg werden, jener Ort, an dem das Befürchtete eintritt: Dass der Westen und auch einzelne arabische Staaten in einen Bodenkrieg verstrickt werden. Denn selbst wenn Gaddafi den Vereinten Nationen einen Hilfskorridor gestattet, so führte dieser durch eine umkämpfte Stadt, ein Waffenstillstand wurde nicht vereinbart.

Die Europäer wollen Hilfstransporte militärisch begleiten: Es wäre der Einsatz in einem Kampfgebiet. Bis es zu Schusswechseln, Gefechten, Verlusten käme, wäre nur eine Frage der Zeit.

Die Rebellen haben sich überschätzt, vielleicht wurden sie überschätzt. Erstmals seit Beginn der arabischen Revolution liegt der Erfolg einer Freiheitsbewegung in fremden Händen. Über das Schicksal Libyens entscheidet die Weltgemeinschaft. Wer diese Erkenntnis scheut, muss nach Misrata schauen.

© SZ vom 20.04.2011/jab

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