Süddeutsche Zeitung

Rückzug des FDP-Generalsekretärs:Lindner wirft hin

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Christian Lindner tritt als FDP-Generalsekretär zurück. Damit wolle er eine "neue Dynamik" ermöglichen, heißt es in einer Erklärung Lindners. Die Liberalen verlieren damit mitten in der Krise ihren wichtigen Parteimanager.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner gibt auf. Genau zwei Jahre, nachdem er vom damaligen Parteichef Guido Westerwelle ernannt wurde, erklärte der 32-Jährige seinen Rücktritt in einer kurzen Stellungnahme vor Journalisten in Berlin: "Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz frei machen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen." Mitten in der größten Krise der Partei verliert die FDP ihren Parteimanager und den Mann, der lange Zeit als größte Hoffnung der Liberalen gegolten hat.

Einen konkreten Grund für seine Entscheidung nannte Lindner nicht, sondern sagte nur, die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen hätten ihn in dieser Einschätzung bestärkt.

Dem Generalsekretär war in der eigenen Partei die Verantwortung für Pannen bei der Organisation des umstrittenen Mitgliederentscheids über den geplanten neuen Euro-Rettungsschirm gegeben worden. Lange hatte die FDP die Initiative des Abgeordneten Frank Schäffler und seiner Anhänger unterschätzt, die den geplanten dauerhaften Euro-Rettungsmechanismus ESM mit Hilfe eines Mitgliederentscheides verhindern wollen.

Bis zuletzt hatten die Initiatoren über organisatorische Mängel und unfaire Behandlung geklagt. Sie wollen das Vorgehen des Parteiführung nun im Nachhinein nochmals aufklären lassen.

Parteichef Philipp Rösler wurde scharf kritisiert, weil er schon Tage vor Ablauf der Frist verkündet hatte, die nötigen 21.500 gültigen Stimmen seien nicht mehr zu erreichen. Das Ergebnis soll an diesem Freitag bekanntgegeben werden.

Querelen gab es in der Partei zuletzt auch wegen der Rednerliste beim Dreikönigstreffen in Stuttgart. Lindner hat noch vor wenigen Tagen betont, dass er neben Rösler im Staatstheater sprechen wolle. Zuvor hatte Rainer Brüderle Ambitionen geäußert.

Der Fraktionschef gilt als innerparteilicher Widersacher der sogenannten Boy-Group der Liberalen, zu der auch Rösler, 38, und Gesundheitsminister Daniel Bahr, 35, zählen. Sie hatten nach dem Abgang von Guido Westerwelle die Führung der Liberalen übernommen, konnten aber nicht verhindern, dass Brüderle mit dem Posten des Fraktionschefs seine mächtige Position in der Partei halten und - nach Einschätzung mancher Beobachter - ausbauen konnte.

Lindner hatte das Amt des Generalsekretärs der Liberalen am 14. Dezember 2009 übernommen. Die FDP verliert damit mitten in der Krise ihren Parteimanager. Rösler war erst Mitte Mai zum neuen Parteichef gewählt worden. Seit kurzem wird jedoch auch über seine Ablösung spekuliert.

Lindner gab sich jedoch Mühe, seinen Rücktritt als Chance für Rösler zu verkaufen. Dadurch ermögliche er es dem Bundesvorsitzenden, "die wichtige Bundestagswahl 2013 mit einem neuen Generalsekretär vorzubereiten".

Lindner erklärte, als Bundestagsabgeordneter weiter für den Liberalismus kämpfen zu wollen - und beendete seine kurze Stellungnahme mit einem vielsagenden: "Auf Wiedersehen."

Mit Material von dpa, DAPD und Reuters.

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