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Libanon:Macrons Bühne

Frankreichs Präsident inszeniert sich in Beirut als Weltpolitiker, er spricht von Freiheit und Koexistenz. Beim libanesischen Volk stößt er damit erst einmal auf offene Ohren. Aber hat Macron wirklich die Ausdauer, um grundlegende Reformen durchzusetzen?

Von Dunja Ramadan

Der erneute Besuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Libanon am Dienstag war auch historisch. Vor genau 100 Jahren rief hier der französische Offizier Henri Gouraud den Staat Großlibanon aus. Frankreich trat damals als Schutzmacht der Christen im Nahen Osten auf. Heute spricht Macron von Freiheit, Dialog und Koexistenz. Und findet damit bei vielen Libanesen offene Ohren.

Doch die Begeisterung für Macron könnte von kurzer Dauer sein. Während seines Besuchs setzte der Präsident vor allem auf Symbolpolitik: Er besuchte Sängerlegende Fairouz, pflanzte eine Zeder und umarmte eine Elfjährige, deren Mutter bei der Explosion am Beiruter Hafen getötet wurde. Zwar will Macron die politische Klasse zu Veränderungen zwingen, doch die Protestbewegung will nichts Geringeres als eine grundlegende Reform des Proporzsystems, das die Franzosen einst mitgeschaffen haben.

Schnelle Reformen werden den Einfluss mächtiger Milizen und Regionalmächte kaum verschwinden lassen. Diese Aufgabe ist zeitintensiv und zermürbend. Fraglich, ob Macron genügend Einfluss und Ausdauer besitzt. Vielmehr scheint er seine Auftritte im einstigen Mandatsgebiet dazu zu nutzen, auf der Weltbühne zu glänzen. Den Libanesen könnte das am Ende wenig bringen.

© SZ vom 02.09.2020

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