Israel-Libanon:Streit im Mittelmeer beendet

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Israel-Libanon: Der Blick von Israel in Richtung Libanon: Auch hier geht es um die Gasförderung.

Der Blick von Israel in Richtung Libanon: Auch hier geht es um die Gasförderung.

(Foto: Jalaa Marey/AFP)

Israel und Libanon beanspruchen gemeinsam eine 860 Quadratkilometer große Fläche vor der Küste. Nun haben sich die verfeindeten Staaten auf eine Seegrenze geeinigt. Europa könnte Zugang zu neuen Gasfeldern erhalten.

Von Björn Finke und Dunja Ramadan, München/Brüssel

Israel und Libanon haben sich nach zwei Jahren Streit um die Gasförderung im Mittelmeer auf eine gemeinsame Seegrenze geeinigt. Die beiden Staaten beanspruchen gemeinsam ein 860 Quadratkilometer großes Seegebiet vor ihren Küsten. Direkte Gespräche zwischen den verfeindeten Staaten hat es nicht gegeben, allerdings hat die USA das Abkommen vermittelt. Letztlich brachten sie die Aussichten auf Erdgas-Ressourcen zusammen, beide erhoffen sich dadurch wirtschaftliche Vorteile. Der israelische Ministerpräsident Jair Lapid nannte das Abkommen am Dienstag auf Twitter "eine historische Errungenschaft". Er dankte US-Vermittler Amos Hochstein für "seine harte Arbeit zum Zustandekommen dieses historischen Abkommens".

Aus Libanon kamen etwas gedämpfte, aber ebenfalls positive Töne: So ließ der libanesische Präsident Michel Aoun mitteilen, dass die endgültige Fassung des Abkommens "zufriedenstellend für Libanon ist, insbesondere da es die libanesischen Forderungen erfüllt". "Ich bin optimistisch", sagte Libanons Chefunterhändler Elias Bu Saab am Dienstag. "Wir glauben, dass dies ein faires Abkommen ist." Eine abschließende Bestätigung aus Beirut stand aber zunächst noch aus. Am Dienstagabend meldete sich der Chef der mächtigen schiitischen Hisbollah-Miliz in einer Fernsehansprache zu Wort. "Wir warten zunächst ab, dass der (libanesische) Präsident die offizielle Haltung verkündet", sagte Hassan Nasrallah. Erst wenn das Abkommen unterzeichnet sei, sei die Angelegenheit erledigt.

Sollte Israel künftig mehr Gas fördern können, wäre das auch für die Europäische Union nützlich. Erst im Juni unterzeichnete EU-Energiekommissarin Kadri Simson ein Abkommen mit Israel und Ägypten. Ägypten verfügt über Anlagen, um Erdgas zu verflüssigen und auf Tankschiffe zu verladen. Die Vereinbarung sieht vor, dass in Zukunft auch israelisches Erdgas dort verflüssigt und auf Schiffe Richtung Europa gepumpt wird. Die EU sucht seit der russischen Invasion der Ukraine fieberhaft nach neuen Lieferanten, als Ersatz für das russische Erdgas. Israels Ministerpräsident Lapid schrieb dazu auf Twitter, "dieses beispiellose Abkommen" werde "Ländern auf der ganzen Welt saubere und erschwingliche Energie liefern".

Auch für die Libanesen, die derzeit mit der schwersten Wirtschaftskrise der Geschichte ihres Landes zu kämpfen haben, sind das gute Nachrichten. In der libanesischen Hauptstadt Beirut gibt es nur rund zwei Stunden täglich Strom vom staatlichen Energieversorger. Privat betriebene Generatoren können sich wegen steigender Ölpreise nur noch wenige Menschen leisten. Als diplomatische Annäherung wollen die beiden Staaten das Abkommen allerdings nicht verstehen. Offiziell befinden sich Israel und Libanon noch immer im Krieg. Die Verhandlungen über den umstrittenen Grenzverlauf waren im Oktober 2020 aufgenommen worden. Es war der erste Kontakt seit Jahrzehnten, der sich nicht um das Thema Sicherheit drehte. Am Mittwoch soll es dem israelischen Sicherheitskabinett sowie in einer Sondersitzung der Regierung vorgelegt werden.

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