bedeckt München 13°

Nach Anschlag in Beirut:Libanesischer Regierungschef bietet Rücktritt an

Die libanesische Regierung hat nach dem verheerenden Bombenattentat in Beirut ihren Rücktritt angeboten. Unter den acht Toten, die das Attentat gefordert hat, befindet sich auch der Chef des Polizeigeheimdienstes - offenbar galt ihm der Anschlag. Es könnte einen Zusammenhang zum Konflikt im Nachbarland Syrien geben.

Als Reaktion auf das Bombenattentat in der libanesischen Hauptstadt Beirut hat die libanesische Regierung ihren Rücktritt angeboten. Auf Bitten von Präsident Michel Suleiman bleibe die Ministerrunde aber für eine Übergangszeit im Amt, teilte Ministerpräsident Nadschib Mikati mit. Die Opposition fordert den Rücktritt der Regierung, der auch Mitglieder der pro-syrischen schiitischen Hisbollah angehören.

Der verheerende Anschlag hat offenbar dem Chef des libanesischen Polizeigeheimdienstes gegolten. Brigadegeneral Wissam al-Hassan ist durch die Autobombe getötet worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA. Die Bombe tötete acht weitere Menschen berichtete NNA weiter.

78 Menschen seien durch die Explosion auf dem Sassine-Platz im Christen-Viertel Aschrafijeh verletzt worden. Die Fassaden mehrerer Häuser wurden durch die Wucht der Detonation zerstört. Mehrere Fahrzeuge brannten aus. Empörte Anhänger al-Hassans strömten im ganzen Land zu Protesten gegen den Anschlag auf die Straßen. Er ist einer der wichtigsten Kritiker Syriens und der pro-iranischen Hisbollah-Miliz.

Für die zerrissene libanesische Gesellschaft ist der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien eine ernste Belastungsprobe: Die einen unterstützen Assad, einen Alawiten, dessen Religionsgemeinschaft enge Verbindungen zu den Schiiten pflegt. Andere Libanesen halten es mit den Rebellen, als deren Rückgrat die Sunniten gelten. In der nordlibanesischen Stadt Tripoli war es bereits zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Assads gekommen. Zudem sind zahlreiche Syrer vor den Kämpfen ins Nachbarland geflohen.

Aus Protest gegen den Anschlag haben am Samstag aufgebrachte Libanesen zahlreiche Straßen besetzt. Sie demonstrieren nach Behördenangaben in mehrheitlich von Sunniten bewohnten Vierteln in Beirut, in der südlich gelegenen Stadt Sidon, in Tripoli im Norden sowie in mehreren Städten im Bekaa-Tal im Osten des Landes. Auch die Verbindungsstraße zwischen der Innenstadt von Beirut und dem internationalen Flughafen ist gesperrt, ebenso wie die Autobahn von Beirut nach Syrien.

Es war das schwerste Attentat in Beirut seit mehreren Jahren

Al-Hassan war ein enger Gefolgsmann des ermordeten Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri und leitete auch die Ermittlungen zu dessen Ermordung. Seine Recherchen legten eine Verwicklung Syriens und der Hisbollah in den Mord nahe. Al-Hassan wirkte vor kurzem auch an führender Stelle an den Ermittlungen zu einem Anschlags-Komplott mit, die zur Verhaftung eines libanesischen Verbündeten von Syriens Präsident Baschar al-Assad führten.

Es war das schwerste Attentat in Beirut seit mehreren Jahren. In den vergangenen Wochen und Monaten war auch der Libanon immer wieder von den Folgen des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien erfasst worden, als sich Anhänger und Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad Kämpfe lieferten. Ob ein Zusammenhang besteht, war aber zunächst unklar.

Die syrische Regierung verurteilte das Attentat scharf. Es sei ein "feiger terroristischer Angriff" gewesen, sagte der syrische Informationsminister Omran al Subi. Die Hisbollah, der engste Verbündete des syrischen Regimes im Libanon, sagte, sie sei schockiert über das "furchtbare terroristische Verbrechen" und rief die Behörden auf, die Täter zu fassen.

Die Vereinten Nationen und die USA verurteilten den Anschlag

Der UN-Sicherheitsrat forderte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Politiker. "Es gibt keine Rechtfertigung dafür, einen Mordanschlag als politisches Werkzeug zu nutzen", sagte ein Sprecher des Sicherheitsrats in Washington. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte, dass Attentat müsse gründlich aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Er rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem "abscheulichen Terrorakt" nicht provozieren zu lassen.

Klar Stellung bezogen zudem die USA: Sie würden der libanesischen Regierung zur Seite stehen, während sie die Verantwortlichen für die "barbarische" Tat mit acht Toten zu Verantwortung zöge. Die USA stellen sich offen auf die Seite der syrischen Rebellen.

Der Libanon war zwischen 2004 und 2008 von einer Serie von Sprengstoffanschlägen erschüttert worden. Schon damals kam der Verdacht auf, das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad könnte an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen sein. Als Folge des Bombenattentates auf den früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri im Februar 2005 hatte Syrien seine letzten Truppen aus dem Nachbarland abziehen müssen. Präsident Assad warnt seit Beginn des Aufstandes in Syrien vor einem "Flächenbrand", der bald die ganze Region erfassen werde.

© Süddeutsche.de/Reuters/dapd/dpa/afp//feko/sst/beitz
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema