ProtestbewegungKleben oder nicht kleben

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In der Nacht auf Montag blockierten Aktivisten der „Neuen Generation“ die Zufahrten zur Druckerei des Springer-Verlages in Berlin-Spandau.
In der Nacht auf Montag blockierten Aktivisten der „Neuen Generation“ die Zufahrten zur Druckerei des Springer-Verlages in Berlin-Spandau. Julius Schreiner/DPA

Die Klimaschützer der „Letzten Generation“ starten eine neue Form des Protests – und ändern ihren Namen. Doch in einem bleiben sich die Aktivisten treu.

Von Jan Heidtmann, Berlin

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Im vergangenen Dezember hatten die Klimaschützer der „Letzten Generation“ öffentlich gemacht, dass sie ihre Organisation auflösen wollen. Nun, fast sechs Monate später, sind sie wieder da – unter neuem Namen und mit einer anderen Strategie. Doch in einer Sache sind sich die Aktivsten treu geblieben: Am vergangenen Sonntag klebten sich drei von ihnen an Tischen im Deutschen Historischen Museum in Berlin fest.

Das erinnerte dann doch sehr an die umstrittenen Aktionen im Herbst 2022, als sich Aktivisten immer wieder an die Rahmen von Bildern Alter Meister geheftet hatten. Doch der Auftritt im Historischen Museum war nur eine von vier Aktionen der früheren Klimaschützer an diesem Wochenende.

38 Aktivisten wurden in Polizeigewahrsam genommen

Unter dem Namen „Neue Generation“ tagte von Freitag bis Sonntag auf der Wiese vor dem Bundestag das selbsternannte „Parlament der Menschen“. Zugleich waren ehemalige Aktivisten der „Letzten Generation“ als „Widerstands-Kollektiv“ unter anderem im Berliner Bezirk Reinickendorf unterwegs. Mit Schablonen und Sprühflaschen versuchten sie, eine Straße in eine Fahrradstraße umzuwandeln. In der Nacht versuchten Demonstranten vor der Druckerei des Springer-Verlags außerdem, die Auslieferung der Bild-Zeitung zumindest zu verzögern. 38 Aktivisten wurden in Polizeigewahrsam genommen und im Laufe des Montags wieder freigelassen.

An die Stelle der einst „Klimakleber“ genannten Umweltschützer tritt nun ein Sammelsurium an Protesten, das einer ihrer Sprecher, Raphael Thelen, so erklärt: In den vergangenen Jahren sei klar geworden, dass selbst einfachste Forderungen wie ein Tempolimit auf den Autobahnen von der Politik nicht umgesetzt werden. Also müsse das selbst in die Hand genommen werden. Dafür gebe es nun das „Widerstands-Kollektiv“, Gruppen von Aktivisten, die „direkt vor Ort kleine Sachen machen“. Autostraßen zu Fahrradstraßen umwidmen, zum Beispiel, oder Parkplätze zu Grünflächen.

Zum Auftakt der Protest- und Widerstandswoche haben die Aktivisten vor dem Reichstagsgebäude ein Zelt aufgebaut, das sie „Parlament der Menschen“ nennen.
Zum Auftakt der Protest- und Widerstandswoche haben die Aktivisten vor dem Reichstagsgebäude ein Zelt aufgebaut, das sie „Parlament der Menschen“ nennen. Soeren Stache/DPA

Doch bei den „kleinen Sachen“ solle es nicht bleiben, mit den größeren politischen Fragen befasse sich nun statt der „Letzten“ die „Neue Generation“. Für diese gebe es „nicht mehr nur die eine Form des Protests“, die Blockade, sondern eine ganze Reihe von Aktionsformen. Dafür sei die inhaltliche Klammer eindeutig, sagt Thelen: „Gegen die Rechten und die Reichen“.

Personalisiert werden die aus Sicht der Aktivisten offenbar vor allem von Elon Musk. Dessen Konterfei prangte auf einem der Plakate beim Protest im Historischen Museum. Dem Vordringen des „Faschismus“ wollen die Aktivisten mehr Demokratie entgegensetzen, etwa durch einen Bürgerrat. Denn der „Kern der Krisen ist unsere kaputte Demokratie“, meint Thelen; der Einfluss der Wirtschaft müsse eingedämmt werden.

Im April gab es kleinere Protestaktionen gegen Tesla und die Molkerei Müller

Über das Wochenende tagte deshalb das besagte „Parlament der Menschen“ auf der Wiese vor dem Bundestag. Unter einer Reproduktion der Reichstagskuppel wurden Forderungen an die Bundesregierung formuliert: mehr Schutz der Lebensgrundlagen, mehr Formen direkter Demokratie. Wirklich repräsentativ ist das „Parlament der Menschen“ bislang nicht. Die 60 Mitglieder seien ausgelost worden, mehr oder weniger paritätisch nach Geschlechtern und Herkunft unterteilt. Kandidiert haben aber gerade einmal 300 Menschen, vor allem Mitglieder und Sympathisanten der „Neuen Generation“.

Den Protesten an diesem Wochenende waren in den vergangenen Wochen bereits kleinere Aktionen vorangegangen. Im April hatten die Aktivisten mehrfach vor Verkaufsräumen von Tesla demonstriert, ein anderer Adressat ihrer Proteste war Theo Müller. Der Chef der Molkerei Müller hatte sich in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung positiv über die Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, geäußert. Sie sei „eine Freundin“.

Die am zurückliegenden Wochenende begonnene „Widerstandswelle“ soll nach Auskunft der Aktivisten noch bis zum kommenden Samstag andauern. Was genau geplant ist, wird nicht verraten. „RAVE – Liebe ist geiler als die Bild!“ lautet der Titel der letzten Veranstaltung am Samstag in Berlin.

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